Zu Gast beim „Dreamteam“

Wenn uns heute morgen jemand gesagt hätte, wo wir heute noch landen werden – wir hätten es nicht geglaubt! Welch ein Tag! Am Vormittag Zittau, da sollte man gewesen sein, denn wer weiß, wann wir wieder- kommen? Dass wir wiederkommen, ist klar, und wo wir dann übernachten werden, steht auch schon fest. Aber der Reihe nach: Am Nachmittag – Frontalangriff auf die Touristinfo in Grossschönau-Waltersdorf. Wir verklickern der sehr netten Dame, dass wir gerne jemanden in einem Umgebindehaus besuchen würden.

Ganz am Rand und doch mittendrin

Wie kann das sein? Ganz einfach: Wir sind in der Oberlausitz direkt an der tschechischen Grenze und damit am östlichsten Rand Deutschlands, aber mittendrin in Europa. Ohne unsere Mission „Merkels Grenzerfahrungen“ wären wir wahrscheinlich nie hierher gekommen, und das wäre bedauerlich gewesen, denn die Gegend ist ein Wandergebiet par excellence. Den Feiertag „Christi Himmelfahrt“, der hier in Sachsen „Herrentag“ heißt, haben wir genutzt für eigene Grenzerfahrungen.

Ein Mann – ein Wort

Schon auf unserer letzten Tour an der tschechischen Grenze entlang hatten wir Kontakt mit Paulus Mehler von Deutschlands ältester Tuchfabrik in Tirschenreuth – schon damals hat er uns zugesagt, das Projekt „Merkels Grenzerfahrungen“ zu unterstützen. Heute war es soweit. Zwei ganze Stunden hat er sich Zeit genommen, um uns den Betrieb zu zeigen. Von der Rohwolle bis zu fertigen Tuchen – Spinnerei, Weberei, Färberei, Qualitätskontrolle, Versand – alles liegt quasi in einer Hand bzw. in den Händen der Mitarbeitenden.

Zwei Herzensmenschen

Wir sind in Waldsassen in der Oberpfalz, nahe der tschechischen Grenze. Unser auserwählter Interviewpartner ist nicht zu Hause. Er wusste allerdings auch nichts von unserem Besuch. Zu allem Überfluss rinnt dann auch noch der Regen in Strömen vom Himmel. Lange Gesichter und die Flucht ins Hotel – gleichzeitig mit Christiane und Thomas aus Sachsen. Beide wollen in den nächsten sieben Tagen den Nurtsch-Weg laufen, 133 km, trotz schlechter Wetterprognose. Sie sind keine Schönwetter-Wanderer, sondern sie genießen jede Tour. Schnell kommen wir ins Gespräch und schnell merken wir, dass die Chemie stimmt. Wir tauschen uns aus. Christiane erzählt von ihrer Arbeit im Hospiz, und wir erzählen von „Merkels Grenzerfahrungen“.

Markus Müller geht SEINEN WEG

…schnurgerade durch Deutschland, von Nord nach Süd, von der Insel Sylt bis nach Oberstdorf: 1115 km und keinen Schritt weniger. Chapeau! Es war nicht seine erste, wohl aber die längste Tour zu Fuß. Eine echte Herausforderung, zumal nach einem schweren Unfall im Oktober 2022. Damals konnte ihm niemand sagen, ob er jemals wieder schmerzfrei würde wandern können. Schmerzfrei war die Tour durch Deutschland dann auch nicht. Aber auch ein Zehenbruch konnte den Geschäftsmann aus Karlsruhe nicht ausbremsen. Frei nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ nimmt
Markus Müller die selbst gesetzte Herausforderung an und die lange Strecke unter die Sohlen.

„Dorfbott“ mit Herz

Vielleicht fragen sich jetzt manche: Was bitteschön ist denn ein Dorfbott? Ganz einfach – ein Nachrichten-Verkünder, ein Dorfbote!  Jedenfalls ist es jemand, der das Neueste unter die Leute bringt, so wie es bis in die 1960er-Jahre war. Die Idee, zu Altbewährtem zurückzukehren, hatte Rolf Meier aus Unzhurst. Er ist so etwas wie ein Reporter von früher, ein echtes Urgestein noch dazu. Mit einigen Mitstreiter:innen trägt er alle Informationen zusammen, die für die knapp 2000 Einwohner von Bedeutung sind: Meldungen aus dem Rathaus, Wichtiges von den Vereinen oder kirchliche Nachrichten.

Zu Fuß um die ganze Republik

Wie verrückt ist das denn? Mein erster Gedanke als ich darüber gelesen habe. Ob nun verrückt oder nicht – jedenfalls ist das eine stolze Leistung von Helga Wissing aus Düsseldorf und Klaus Grommes aus Bonn. Wir verneigen uns vor dieser Leistung.
Dass wir diese beiden sympathischen Wanderer kennen lernen, daran ist Selfkant schuld, der westlichste Zipfel Deutschlands. Ich recherchiere über den Zipfelbund und finde diese wahnsinnige Geschichte.

Aachener Zeitung berichtet

Wunderbare Begegnungen hinterlassen bleibende Spuren. Was uns in Selfkant widerfahren ist, haben wir so noch nie erlebt. Wir besuchen den westlichsten Zipfel Deutschlands und sind mittendrin in Europa und mitten unter sympathischen und empathischen „Grenzgängern“. Das vorurteilsfreie Miteinander zwischen Deutschland, den Niederlanden und Belgien ist einfach nur bewundernswert. Dass das Nebeneinander verschiedener Nationen so einwandfrei funktioniert, hängt natürlich von den Bewohnern des Selfkant ab. Allen voran nennen wir Erich Hacken und seine Familie aus Millen. Erich, ein wahrer Tausendsassa, fackelt nicht lange – er packt an. Er „schwätzt“ nicht (wie wir im Badischen sagen), er macht. Von seiner Tatkraft und der Unterstützung seiner Familie könnten sich manche eine dicke Scheibe abschneiden. Er spendet nicht nur selbst, nein, er animiert auch andere Menschen, es ihm gleichzutun. Er geht mit dem allerbesten Beispiel voran, hat es sogar geschafft, dass die Aachener Zeitung, Ausgabe Kreis Heinsberg, über unsere private Aktion „Merkels Grenzerfahrungen“ berichtet.

Powerfrau mit zwei Namen

Bürgerlich heißt die quirlige Geschäftsfrau Siggi Berzel, als Schriftstellerin trägt sie den Namen Aurora Castelli. Da schlagen nicht nur zwei Herzen in einer Brust, nein, da kommen viele verschiedene Talente zusammen. Aber der Reihe nach: Siggi Berzel ist Modefachfrau durch und durch. Als solche hat sie die (Mode)-Welt kennengelernt, war oft unterwegs, stets mit einem sicheren Gespür für das, was die Kundschaft anspricht. Aber das ist eben nur eine Facette der Baden-Badenerin. Die andere Begabung kommt eher leise daher. Siggi Berzel schreibt Romane.