Ein Mann - ein Wort

Schon auf unserer letzten Tour an der tschechischen Grenze entlang hatten wir Kontakt mit Paulus Mehler von Deutschlands ältester Tuchfabrik in Tirschenreuth – schon damals hat er uns zugesagt, das Projekt „Merkels Grenzerfahrungen“ zu unterstützen. Heute war es soweit. Zwei ganze Stunden hat er sich Zeit genommen, um uns den Betrieb zu zeigen. Von der Rohwolle bis zu fertigen Tuchen – Spinnerei, Weberei, Färberei, Qualitätskontrolle, Versand – alles liegt quasi in einer Hand bzw. in den Händen der Mitarbeitenden. Die Firma blickt auf 382 Jahre Geschichte zurück. Viele Mitbewerber sind im Laufe der Zeit vom Markt verschwunden. Wie, so fragt man sich, wie schafft es die Familie Mehler sich über Jahrhunderte zu etablieren? „Die Erfahrung ist eines unserer größten Pfunde“, sagt Paulus Mehler, „Knowhow, Liebe zum Produkt und anständiges Wirtschaften braucht es, um auf dem Markt zu bestehen.“

Paulus Mehler leitet die Firma gemeinsam mit seinem Bruder Ludwig, und er ist aktuell dabei, die Geschicke an die 12. Generation weiterzugeben. Von der Pike auf hat er den Betrieb kennengelernt, er kennt jede Station und weiß genau, was warum wo geschehen muss, um allerbeste Qualität zu fertigen. „Und noch etwas ist ganz wichtig: Die Wertschätzung aller Mitarbeitenden. Wir haben Kolleginnen und Kollegen aus 12 Nationen, das bedeutet, wir sind eine große homogene Betriebs-Familie. Alle haben dieselben Rechte, aber auch dieselben Pflichten, und alle werden ordentlich bezahlt und wertgeschätzt.“ Deshalb gibt es bei der Tuchfabrik Mehler so gut wie keine Fluktuation. Hand in Hand bedienen alle die ca. 1300 Kunden weltweit. Dazu gehören Trachtenträger. „Ich schätze, dass an die 70 % der Wiesn-Besucher Tuche aus unserem Haus tragen“, zeigt sich Paulus Mehler überzeugt.

Weberrei
Färberrei

Großaufträge kommen von Behörden, von Polizei und Feuerwehr. Das qualitativ hochwertige Tuch ist auch beim Militär stark nachgefragt, ebenso bei Schützen- und anderen Vereinen. Ausgeh-Uniformen müssen nicht nur strapazierfähig sein, sondern auch die exakt definierte Farbe ist maßgeblich. Sogar den Titel „Päpstlicher Hoflieferant“ bekam die Firma schon verliehen, und von Mehler speziell gefärbte Tuche haben auch schon Filmgeschichte geschrieben. Seit einigen Jahren spielen auch Nischenprodukte eine Rolle: Heimtextilien werden gefertigt wie etwa Stores, Decken oder auch Picknickdecken oder Überzüge für Bettflaschen aus Tuchresten. Überhaupt spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle bei der Firma Mehler. Eigene Ladesäulen für E-Autos sind vorhanden, auf die Entnahme von Grundwasser wird verzichtet. Wasser – für den Produktionsprozess ganz wichtig – wird aus der vorbeifließenden Waldnaab entnommen und am Ende des Prozesses gereinigt wieder eingeleitet.

Picknickdecke
Vereinsuniform
Qualitätskontrolle

Die Gebrüder Mehler vertreten ihre eigene Firmen-Philosophie: „Wir sind Dienstleister“, sind sie sich einig. „Die enorme Fertigungstiefe, kurze Wege, aber auch  schnelle Entscheidungen bringen uns den Respekt der Kunden.“ Dazu kommt eine vernünftige Preisgestaltung und die Tatsache, dass wir auch kleine Aufträge annehmen. Eine ganze Jahres-Produktion liegt bei uns im Lager, so können wir schnell und gezielt liefern,“ erklärt Paulus Mehler, der in Tirschenreuth für das Kaufmännische, für die Produktion mit dem beeindruckenden Maschinenpark und für die Qualität zuständig ist, während sein Bruder Ludwig sich hauptsächlich um die Spinnerei in Forst kümmert.  Die Tuchfabrik Mehler arbeitet wertebasiert, das bedeutet: Immer hat die gesamte Familie die Firma im Blick. Wenn es nach Paulus und Ludwig Mehler geht, wird das auch in Zukunft so bleiben. Die Grundlagen dafür sind gelegt. Wir bedanken uns bei Paulus Mehler dafür, dass er sich die Zeit genommen hat, uns alles zu erklären, insbesondere aber für die Spende zugunsten krebskranker Kinder. 

LESEN – SICH FREUEN – SPENDEN – DANKE !