„Dorfbott“ mit Herz

Vielleicht fragen sich jetzt manche: Was bitteschön ist denn ein Dorfbott? Ganz einfach – ein Nachrichten-Verkünder, ein Dorfbote!  Jedenfalls ist es jemand, der das Neueste unter die Leute bringt, so wie es früher war. Die Idee, zu Altbewährtem zurückzukehren, hatte Rolf Meier aus Unzhurst. Er ist so etwas wie der rasende Reporter von früher, ein echtes Urgestein noch dazu. Mit einigen Mitstreiter:innen trägt er alle Informationen zusammen, die für die knapp 2000 Einwohner von Bedeutung sind: Meldungen aus dem Rathaus, Wichtiges von den Vereinen oder kirchliche Nachrichten.

Rolf Meier

An diesem Abend geht es u.a. um neue Notfall-Flyer, die ausgegeben worden sind. Der Dorfbott erinnert an die bevorstehende Landtagswahl in BW, und er fordert die Gemeindemitglieder auf, an der sog. „Dorfputzete“ teilzunehmen, also Müll zu sammeln und das Umfeld wieder sauber zu machen. Ein Konzert des Gesangvereins steht an, ein Radl-Markt, eine Pflanzentauschbörse und eine Altpapiersammlung. Das Meiste davon könnte man auch im Mitteilungsblatt der Gemeinde nachlesen, aber das ist nicht dasselbe. Nachrichten aus erster Hand, mit Herz und Verstand verkünden und dabei den Leuten ins Gesicht schauen, das ist etwas ganz anderes. „Ich wollte die Menschen unseres Dorfes zusammenbringen“, erzählt Rolf Meier, dessen Herz für die Dorfgemeinschaft brennt, denn er ist ein geselliger Typ. An jedem ersten Freitag im Monat schlüpft er deshalb in seine dunkelblaue Uniform, schnappt sein Fahrrad und eine Glocke. „Bekanntmachung – um 18 Uhr geht’s los“, ruft er durch die Straßen der kleinen Gemeinde Unzhurst im Landkreis Rastatt. Kurze Zeit später strömen die Menschen aus allen Himmelsrichtungen zum örtlichen Schulhof. Dort haben die fleißigen Helfer schon Tische und Stühle aufgestellt und die Bewirtung vorbereitet.

Seit sieben Jahren pflegt die Dorfbottgemeinschaft nun schon eine Tradition, die ältere Einwohner zum Teil noch original miterlebt haben. „Zurück in die Zukunft“ könnte man die Aktion auch beschreiben. Weg von digitalen, hin zu analogen Nachrichten ohne technischen Schnickschnack. „In einer Zeit, in der alle am Handy kleben, in der die persönliche Kommunikation häufig zu kurz kommt, ist diese Aktion einfach vorbildlich. „Jede/r ist bei uns gern gesehen“, betont Angela Pfetzer vom Helferteam. Niemand ist gezwungen, in einen Verein einzutreten, um Kontakt zu bekommen. Die Anwesenheit ist nicht verpflichtend, alles ist unkompliziert.“ Das sieht auch Nicole Hodapp so. „Wir haben ein ganz tolles WIR-Gefühl“, und Margrit Neuburger freut sich, dass die Kinder der Gemeinde ein Forum bekommen. An diesem Abend singt z.B. der Grundschulchor, und die Erstkommunikanten treten auf.

Grundschulchor
Auftritt der Erstkommunikanten
Helferteam: Walter Zuber, Marcus Winter, Helmut Strack, Rolf Meier, Angela Pfetzer, Margrit Neuburger, Jürgen Pfetzer, Nicole Hodapp, v.l.

Wenn der Fastnachtsbott auftritt -immer am ersten Freitag im Februar- dann tanzen die vier Garden aus Unzhurst. Jürgen Pfetzer, Bürgermeister der Kommune Ottersweier, zu der Unzhurst verwaltungstechnisch gehört, freut sich besonders auf den Weihnachts-Dorfbott. „Dafür werden rechtzeitig Spenden gesammelt, um den Kindern von Unzhurst eine kleine Freude zu bereiten. Neben dem geselligen steht also auch der soziale Gedanke im Mittelpunkt.“ Das zeigt sich auch daran, dass die Bewirtung jedes Mal von einer anderen Gruppe gestemmt wird. Aktuell waren es die Ministranten, die für Getränke und eine Kleinigkeit zum Essen gesorgt haben. Ihre Einnahmen dürfen sie behalten. Die Teams wechseln ständig. Bei den Auftritten des Dorfbotts mitzuhelfen, empfinden alle als Ehrensache.

Bewirtung durch die Ministranten
Bewirtung durch die Ministranten

Die Idee mit dem Dorfbott ist von Anfang an auf große Zustimmung gestoßen“, erklärt Rolf Meier nicht ohne Stolz. Jeder Auftritt hat bisher stattgefunden. Das liegt auch daran, dass er gleich zwei Stellvertreter hat. Das Motto der Dorfbott-Gemeinschaft geben übrigens die vier G vor: Es wird getrunken, gegessen, geschwätzt und gelacht! Dass das funktioniert in dem kleinen Ort Unzhurst, davon konnten wir uns selbst überzeugen. Und noch etwas durften wir erfahren: Die Unzhurster Bevölkerung hat ein Herz für krebskranke Kinder. Wir bedanken uns in aller Form bei Rolf Meier, der sofort seine Unterstützung für Merkels Grenzerfahrungen zugesagt und mit dem Hut Spenden gesammelt hat. Wir bedanken uns beim gesamten Dorfbott-Team und bei allen Spenderinnen und Spendern. Schön war’s in Unzhurst, und schön wäre es, wenn man anderswo sich eine Scheibe vom Engagement der Unzhurster abschneiden würde. Die Idee, Menschen zusammenzubringen, das WIR-Gefühl zu fördern, ist heutzutage wichtiger denn je. Danke Unzhurst!

 

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LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!