Selfkant - verloren zwischen den Welten???

Mitnichten! Das Gegenteil ist der Fall! Oder um es mit den Worten von Stephie Hacken zu sagen: „Hier (in Selfkant) fängt die Welt an!“ Stephie Hacken ist die Frau von Erich Hacken aus Millen, und Erich ist der Inbegriff des sogenannten „Hansdampf in allen Gassen“. Sein Tag muss 48 Stunden haben, nachdem, was er alles in Angriff nimmt. Der empathische „Millner-Jung“ -wie er sich nennt- ist Ortsvorsteher von Millen (einer von 12 Ortsteilen der Gemeinde Selfkant), er ist im Schützenverein, im Kirchenvorstand, im Oldtimer- und Heimatverein, er ist im Karneval aktiv, er und seine Familie haben neben vielen anderen Akteuren aus den Niederlanden und Deutschland in einem Musical über die Millener Geschichte mitgespielt. Dabei stellte der Millener Oldtimer-Verein diverse Akteure für die Hauptrollen. Das Stück selbst handelt von der Annektierung des Selfkant durch die Niederlande. 

Erich, Fiona und Stephanie Hacken

Als fachkundiger Führer erklärt Erich Hacken den Gästen Gott und die Welt. Die romanische Saalkirche St. Nikolaus kennt er wie seine Westentasche. Er zeigt uns das älteste Glasfenster aus dem 11. Jh., verweist uns auf den Fußboden, den es in dieser Art und Weise nur noch im Vatikan gibt, den Ambo von 1478. Die Kirche wie auch der Selfkanter Ortsteil Millen gelten als Schatzkästlein. Erich Hacken, von Beruf Oberbauleiter, brennt für seine Heimat, das spürt jeder sofort.

Bischofsgewand aus dem 16.Jh.
Ambo von 1478

Es ist also kein Zufall, dass Sara Conen vom Zipfelbund ausgerechnet ihn als Interviewpartner vorschlägt. „Zipfelbund“ – dieses Stichwort finden wir beim Recherchieren von Besonderheiten entlang der Deutschen Grenze. Es stellt sich heraus, der Zipfelbund ist der Zusammenschluss der östlichsten, nördlichsten, südlichsten und westlichsten Gemeinden Deutschlands. Selfkant ist der westlichste Zipfel und damit für uns von allergrößtem Interesse. Da müssen wir hin!!! Und da sind wir, und die Geschichten, die uns Erich Hacken erzählt, lassen sich nicht auf zwei Seiten bannen.

Grenze zu den Niederlanden
Selfkant: westlichster Punkt Deutschlands
Selfkant: westlichster Punkt Deutschlands

Aber der Reihe nach: Selfkant (das ist die Stupsnase auf unserer Deutschlandkarte) ragt weit in in die Niederlande hinein und liegt außerdem nur einen Steinwurf entfernt von Belgien. Das Zusammenleben mit den Nachbarn ist hier vollkommen normal – ohne jede Berührungsangst. Grenzen (auch in den Köpfen) gibt es in Selfkant nicht, somit hat die Gemeinde genau das, was die Menschen für ein friedliches Miteinander brauchen. Natürlich suchen wir zuerst den westlichsten Punkt der Bundesrepublik. Ich sitze mit dem Allerwertesten in den Niederlanden, meine Beine befinden sich auf deutschem Boden. Selfkant ist der westlichste Zipfel der BRD, des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, des Regierungsbezirks Köln, des Landkreises Heinsberg und der Gemeinde Selfkant! Also wenn das nichts ist…! Klar, dass wir wissen wollen, wie es sich lebt in der Zipfelgemeinde. Erich Hacken lebt in Millen, ziemlich nah an der Grenze, und er ist ein echter Grenzgänger. In die Schule ging er in den Niederlanden, seine Lehre als Kunsttischler hat er in Belgien absolviert. Das Hin und Her über die Landesgrenzen ist in Selfkant selbstverständlich. Einkaufen, Freizeit, einfach alles ist grenzüberschreitend. Ein Ideal, das anderswo gerne kopiert werden dürfte. Erich Hacken erzählt uns, dass Selfkant zwischen 1949 und 1963 zu den Niederlanden gehörte, dann für 280 Mio. Mark zurückgekauft wurde. Über Nacht haben sich in der Region die Grenzen verschoben und heute ist von Grenzen nichts mehr zu spüren. „Als ich Kind war“, erzählt Erich Hacken, „hatten wir schon das Gefühl, abseits zu leben, seit der Verschiebung der Grenzen leben wir im Herzen Europas – mittendrin!

Nach Maastricht ist es von Selfkant aus gerade mal eine halbe Stunde, in einer Stunde sind wir in Brüssel. Köln, Aachen, Düsseldorf, Venlo – diese Städte sind für uns sehr schnell zu erreichen, umgekehrt sind wir das Naherholungsgebiet für alle diese Städter. Erich Hacken entlässt uns nicht, ohne uns die Kirche und das Heimatmuseum gezeigt zu haben. Viele Preziosen erklärt er uns, wir können sie gar nicht alle aufzählen. Am besten kommen alle, die diesen Artikel lesen, einmal selbst nach Selfkant. Es lohnt sich. Wir sagen ein großes Dankeschön dem Ehepaar Hacken für seine Spende zugunsten krebskranker Kinder, und Danke an ihre Tochter Fiona, die uns eine zusätzliche Spende vom Frauenverein Millen übergeben hat. Fiona drücken wir die Daumen für die Schützen-Meisterschaften. Wir haben eine Region kennengelernt, die als Vorbild für uns alle gelten sollte. Uns bleibt jetzt noch, den Zipfelpass abstempeln zu lassen, auch als Ansporn, die anderen Zipfelgemeinden zu besuchen.

https://www.zipfelbund.de

LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!