Zwei Herzensmenschen

Wir sind in Waldsassen in der Oberpfalz, nahe der tschechischen Grenze. Unser auserwählter Interviewpartner ist nicht zu Hause. Er wusste allerdings auch nichts von unserem Besuch. Zu allem Überfluss rinnt dann auch noch der Regen in Strömen vom Himmel. Lange Gesichter und die Flucht zurück ins Hotel – gleichzeitig mit Christiane und Thomas aus Sachsen. Beide wollen in den nächsten sieben Tagen den Nurtsch-Weg laufen, 133 km, trotz schlechter Wetterprognose. Sie sind keine Schönwetter-Wanderer, sondern sie genießen jede Tour. Schnell kommen wir ins Gespräch und schnell merken wir, dass die Chemie stimmt. Wir tauschen uns aus. Christiane erzählt von ihrer Arbeit im Hospiz, und wir erzählen von „Merkels Grenzerfahrungen“. Beim gemeinsamen Abendessen vertiefen wir das Kennenlernen, daraus wird ein anregender Abend.

Christiane und Thomas haben ihre Herzen auf dem rechten Fleck – soviel seht fest. Beide lieben die Natur, Wandern ist ihr gemeinsames Hobby. Ihre erste längere Tour haben sie übrigens in Baden-Württemberg zurück gelegt. Der Schluchtensteig zählt zu den Top-Trails of Germany, den besten Wanderwegen des Landes. Das ist aber nur eine von vielen Strecken, die sie im Laufe der letzten Jahre unter ihre Sohlen genommen haben. Auch den sog. Albtraufgänger haben die beiden schon erkundet. Haste Töne? Nein, haben wir nicht! Wir als echte Baden-Württemberger müssen gestehen, davon noch nie gehört zu haben. Peinlich, peinlich! Die beiden Rucksack-Wanderer genießen jedenfalls das Draußensein. „Wir lieben die Natur, und wir genießen es, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen“, sagt Christiane „Begegnungen sind das Salz in der Suppe“. Das deckt sich hundertprozentig mit unserer Einstellung.

Beide haben übrigens eine tolle Kondition. Thomas kommt gerade vom Ultramarathon am Rennsteig in Thüringen. Er ist Kapitän der Landstraße, fährt jede Nacht von Chemnitz nach Nürnberg und wieder zurück. Auch in dieser Beziehung genießt er das Unterwegssein. Der passionierte Läufer trainiert jeden Tag, und Christiane legt jede Strecke in ihrem direkten Umfeld zu Fuß zurück. Von Herzen gerne engagiert sie sich ehrenamtlich für das Hospiz in ihrem Ort. Jeden Tag zaubert sie den Gästen dort ein Lächeln ins Gesicht.

Ehrenamt ist keine Arbeit, die nicht bezahlt wird.

Ehrenamt ist eine Arbeit, die unbezahlbar ist“.

Die Hospizmitarbeiter/innen bezeichnen sie als „einen Engel, den ihr Bruder geschickt hat“. Viel zu früh hat sie ihren Bruder verloren – an einer unheilbaren Nervenkrankheit. Zwar hat er nur seine letzten Tage im Hospiz verbracht, Christiane und ihre Familie haben bei allem Schmerz dort aber einen tiefen Frieden gespürt. Diesen Frieden gibt sie an die Hospizgäste weiter. Dieses Ehrenamt ist für sie die absolute Herzensarbeit. An den Wochenenden ist sie mit Thomas draußen unterwegs, begleitet ihn bei seinen Läufen. Den Rennsteig-Lauf – 73 km mit 1.800 Höhenmetern – hat er in 8 Std. und 44 Minuten zurückgelegt. Alle Achtung! Da stehen wir staunend gegenüber. Christiane hat natürlich mitgefiebert. Sie begleitet ihren Partner bei jedem Lauf, ob Marathon oder Ultra. Auch auf diese Weise lernen beide weite Teile Deutschlands kennen.

Es gibt in unserer Republik so viele wunderbare Landschaften, da brauchen wir keine Fernreisen mehr.“ Auch diese Einsicht deckt sich mit unserer Einstellung. Kann es Schöneres geben als eine solche Übereinstimmung mit eigentlich wildfremden Menschen?

Wohl kaum! Und wieder zeigt sich, dass, wo eine Tür sich schließt, eine andere sich öffnet. Aus unseren langen Gesichtern von vorher sind strahlende Mienen geworden – dank Christiane und Thomas. Wir bedanken uns für die Offenheit und ihr Interesse an unserem Spendenprojekt, vor allem aber für ihre Spende zugunsten krebskranker Kinder.

Fotos: Christiane Täube

LESEN – SICH FREUEN – SPENDEN – DANKE !