Zwei große Herzen schlagen für Arnis

Arnis? Arnis! Noch nie gehört? Bildungslücke! Immerhin ist Arnis die kleinste Stadt Deutschlands mit nur ungefähr 250 Einwohnern. Ein Kleinod, das sich in einer halben Stunde zu Fuß umrunden lässt. Tatsächlich sind es kaum 3 km, die dafür zurückzulegen sind. Einmal direkt am Wasser (der Schlei) entlang, ein andermal geht’s durch eine Art Dschungel mit Pflanzen, Bäumen und Kunstwerken. Auch da ist das Wasser nicht weit. Und immer hat man einen Blick auf die wunderschön erhaltenen alten Häuser. In einem dieser typischen Häuser auf der Halbinsel treffen wir Elke und Hendrik Horn – sie, ein Arnisser Kind, er, der als Handelsvertreter ständig und überall unterwegs war, fand durch seine Leidenschaft, das Segeln, den Weg zu diesem wunderschönen Fleckchen Erde.

Ihre Herzen schlagen für die kleine Stadt. Das zeigt sich in vielen Aktivitäten. So sind unter ihrer Federführung die beiden Theaterstücke „Der Auszug nach Arnis“ und „Der Kampf um Schleimünde“ entstanden. Elke und Hendrik Horn fungierten hier als echtes Dreamteam. Der Text stammt von ihm, Regie führte seine Frau. Sie war es auch, die die Dialoge ins Plattdeutsche übersetzt hat. Gemeinsam gingen sie auf die Suche nach Kulissen, Kostümen und ganz wichtig nach Schauspielerinnen und Schauspielern. Die mussten selbstverständlich aus Arnis stammen. Das Konzept ging auf, und wer dem Ehepaar Horn zuhört, spürt nicht nur berechtigten Stolz, sondern vor allem die Freude, die ihre Herzen auch jetzt, einige Jahre nach der Aufführung, noch höher schlagen lässt. Inhaltlich ging es im „Auszug aus Arnis“ um 66 Familien, die im Jahr 1667 von Kappeln an der Schlei auf die Halbinsel geflohen sind, um sich vor der Leibeigenschaft des Gutsherrn in Sicherheit zu bringen. Sie bekamen ein Stück Land zugesprochen, durften fortan aber nicht mehr in die Kappelner Kirche. Wir wünschten, wir wären bei den Theateraufführungen dabei gewesen.

Elke Horn ist auch im Kirchenvorstand und sorgt mit dafür, dass das kleine Gotteshaus an Ende der (fast) einzigen Straße mit kulturellem Leben gefüllt wird. Lesungen, Kirchenkino, Konzerte finden dort statt. Hendrik Horn wiederum hatte eine grandiose Idee als es darum ging, Spendengelder zu akquirieren für den Ersatz der alten Orgel. Warum nicht einzelne Töne verkaufen bzw. Paten für einzelne Töne suchen? Wieder ging das Konzept auf. Familie Horn spendete für den Ton G. Jeder Spender erhielt als Gegenleistung eine kleine Melodienfolge, basierend auf dem jeweils erworbenen Ton (Hier geht es zu den Orgeltönen).

Zugegeben, manch einer wird sich die Augen reiben. Nur 250 Einwohner und trotzdem Stadtrechte? Zu verdanken ist das vor allem dem Bürgermeister des ehemaligen Fleckens, das war ein Ort zwischen Dorf und Stadt mit Sonderprivilegien. In den 1930er Jahren sollte Arnis zurückgestuft werden zu einem Dorf, aber da hatte die Politik die Rechnung ohne die Arnisser Bevölkerung gemacht. Bürgermeister und Bevölkerung wehrten sich nach Kräften. Daher kommt die Vermutung, dass die Arnisser ein streitbares Völkchen seien. Das aber kann das Ehepaar Horn so nicht stehen lassen. Selbstbewusst ja – streitsüchtig nein! Sonst wäre der Zusammenhalt in der Stadt, wo jeder jeden kennt ja gar nicht gewährleistet. Und das Gemeinschaftsgefühl ist ein großes Pfund, mit dem die Stadt Arnis wuchern kann.

Dass alle sich kennen, hat Vor- und Nachteile. „Die Vorteile überwiegen bei Weitem“, stellt Hendrik Horn fest. „Wenn auf der einen Seite der Halbinsel eine Glasscheibe zu Bruch geht und jemand will das melden, dann kommt Ihnen an der nächsten Ecke schon der Glaser entgegen.“ Und Elke Horn ergänzt: „Wenn in der Stadt eine Veranstaltung mit Bewirtung stattfindet, oft in der Kirche, dann bringt jeder eine Köstlichkeit mit und am Ende steht da das große Arnisser Buffet“. Der Nachteil einer so kleinen Stadt? „Wenn ich morgens mit dem falschen Fuß aufstehe, weiß das nachmittags jeder. Aber wichtig ist: Hier geht niemand verloren“, betont Elke Horn.

Wer Arnis zu Fuß umrundet, hat immer das Geplätscher der Schlei im Ohr und die Schönheiten der Natur vor Augen. Auffällig sind die unzähligen Segelschiffe überall um Arnis herum. Es könnte der Eindruck entstehen, in Arnis gibt es mehr Boote als Menschen, zumal fast jedes Haus einen Zugang zum Wasser hat. Tatsächlich aber werden Liegeplätze für Boote vermietet, und Arnis hatte einst die größte Handelsflotte. Immer noch floriert das wirtschaftliche Leben in Arnis. Werften, Gastronomie, sogar Boutiquen gibt es auf engstem Raum, wenngleich Elke Horn auf viele Veränderungen hinweisen kann. „In meiner Kindheit gab es sogar ein großes Kaufhaus, Metzger und Bäcker “, erinnert sie sich. Die Zeit macht eben in diesem wunderschönen Städtchen auch nicht Halt. Auch in Arnis hat der Tourismus Einzug gehalten. „An manchen Tagen zählt man hier bis zu 1000 Radler“, weiß Hendrik Horn, „aber trotzdem fühlen wir uns hier sehr wohl.“ So soll es auch bleiben. Wir wünschen den Ehepaar Horn noch eine ganz lange, intensive Zeit in ihrem Idyll, und wir sagen Dankeschön für das spontane Zusammentreffen und für die zugesagte Spende.

LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!