Welt der Knöpfe

Das darf durchaus wörtlich genommen werden. Dill-Buttons aus Bärnau in der Oberpfalz gibt es nämlich auf der ganzen Welt. Das Produkt „Made in Germany“ erfreut sich überall großer Beliebtheit. Jeder braucht ihn, jeder hat ihn – mehrfach und in verschiedenen Farben, Größen und Formen – den Knopf. Ob ihm jedoch immer der gebührende Respekt gezollt wird, möchte ich bezweifeln. Wer aber einmal gesehen hat, was die Firma Dill-Buttons leistet, welches Sortiment dort hergestellt wird, dem geht ein Licht auf, dem wird klar, dass ein einziger Knopf ein absoluter Hingucker sein kann, der alles drumherum in den Schatten stellt.

Wir freuen uns jedenfalls, dass der Geschäftsführer und Inhaber des Familienbetriebs, Hans Dill, uns freudestrahlend empfängt und mit leuchtenden Augen von einem Produkt erzählt, das einerseits alltäglich ist, andererseits aber auch wieder etwas ganz Besonderes. Hans Dill führt den Betrieb, den seit Großvater 1924 gegründet hat, in der dritten Generation, und er tut es mit großer Begeisterung. Man könnte sagen, er hat Feuer gefangen für den Knopf. Seit 37 Jahren ist er in dem Unternehmen, das 15.000 internationale Kunden zählt. Wo früher häufig in Heimarbeit „geknopfert“ wurde, wird heutzutage vieles von der Technik übernommen. 20 Mitarbeiter zählt das familiär organisierte Unternehmen in Bärnau. Einige Millionen Knöpfe verlassen die kleine Fabrik, die 8000 Modelle vertreibt, in 20.000 Varianten. Da spielen Materialien, Formen, Farben und Größen eine Rolle, aber auch die Art und Weise, wie Knöpfe befestigt werden, ob es sich um Loch- oder Ösenknöpfe handelt. „Erfinderinnen“ neuer Produkte sind die Schwester von Hans Dill, aber auch freiberufliche Designerinnen, die wir leider nicht kennenlernen konnten. Die für uns spannende Frage, woher die Ideen für immer neue Knopf-Kreationen kommen, bleibt unbeantwortet. Sei’s drum! Eines jedenfalls wird klar: Wo der Knopf zum Hingucker wird, schafft er es, ein Kleidungsstück oder Accessoire aufzuwerten.

Hans Dill ist ein wandelndes Lexikon in puncto Knöpfe. Er brennt für das Produkt, das zu 70 % in den Export geht. Selbst die Universal- und Disney-Studios in Amerika zählen zu den Kunden. Über ein weltweites Betriebsnetz beziehen Einzelhändler aus der ganzen Welt die berühmten und geschätzten Dill-Buttons. Außerdem Schneiderfachgeschäfte, Handarbeitsgeschäfte, Kaufhäuser. „Der Knopf war in unserer Familie immer ein großes Thema“, blickt der heutige Geschäftsführer und Inhaber zurück, „daher kommt auch meine Faszination für den kleinen oder großen, den farbigen oder neutralen Alleskönner. Kaum jemand macht sich Gedanken, welche Anforderungen ein Knopf erfüllen muss. Er muss waschbar sein, reinigungsfähig, hitzebeständig und er darf nicht abfärben.“

Mal ehrlich: Macht sich darüber wirklich jemand Gedanken? Wohl kaum! In der Produktion in Bärnau sind aber genau diese Fragen von Belang. „Qualität ist für uns das oberste Gebot“, betont Hans Dill, der uns mit den unterschiedlichsten Rohmaterialien vertraut macht. „Holz ist ein starkes Material, das mit Naturfarben eingefärbt wird und vor allem bei Strickwaren Verwendung findet. Wir verwenden ausschließlich Buchenholz, mit Hilfe der Lasertechnik bekommen die Holzknöpfe ihr Muster“. Es gibt aber auch Knöpfe aus Flüssigholz. Flüssigholz? Wir wussten nicht, dass es so etwas überhaupt gibt. „Flüssigholz ist ein Naturstoff, Granulat aus Holzresten“, erläutert der Firmenchef, „und als Metall-Rohstoff verwenden wir Zink, das zum Teil auch vergoldet wird.“ Auch wenn sich im Laufe der Zeit vieles verändert hat – der Knopf hat seine Bedeutung nicht verloren. Auch der Reißverschluss ist kein wirklicher Konkurrent, denn, so Hans Dill: „Ein Reißverschluss kann nicht so schnell und unaufwändig ersetzt werden wie ein Knopf, und durch neue Knöpfe kann ein Kleidungsstück zu einem komplett neuen Teil werden. Der Knopf ist ein Styling-Element.“ Wo er Recht hat, hat er Recht.

Hans Dill

Allergrößten Wert legen Hans Dill und die im Betrieb Beschäftigten auf Nachhaltigkeit. Was recycelt werden kann, wird wieder verwendet, das gilt auch für die Verpackung. Alle verwendeten Materialien müssen langlebig sein. Das Familienunternehmen verfügt über ein ausgeklügeltes Strom-Management. Alle Werkzeuge, die für die Herstellung der Knöpfe gebraucht werden, werden im Betrieb selbst hergestellt, Formen werden selbst entwickelt. „Dafür brauchen wir Fachleute, und die bilden wir selbst aus – Werkzeugmechaniker, Kaufmännische Angestellte, Techniker, Industrieschlosser, denn Tatsache ist: Die Arbeit ist technischer geworden, vieles wurde automatisiert.“ In den 37 Jahren seiner Betriebszugehörigkeit wurden in der Knopffabrik Dill 40 junge Leute ausgebildet. Markus Götz ist einer von ihnen, heute ist er technischer Betriebsleiter, und noch immer ist auch er begeistert von den Knöpfen aus Bärnau. „Die Vielfalt und die Formen tragen zur Freude an meiner Arbeit bei.“ Beim Gang durch die Lagerräume weist Hans Dill auf die Wichtigkeit einer sinnvollen Lagerhaltung hin. „Die Lieferzeiten dürfen nicht zu lang sein, und die Kundschaft soll die Möglichkeit haben, auch kleine Mengen zu bestellen.“ In der Verpackung treffen wir schließlich zwei Damen, auch sie schon langjährige Mitarbeiterinnen. Nachhaltigkeit zahlt sich eben aus, auch und gerade in Bezug auf die Beschäftigten.

techn. Betriebsleiter Markus Götz
Damen der Verpackung
originelle Knöpfe

Wenn alle zufrieden sind und mit Freude ans Werk gehen, ist das ein großer Garant für den betrieblichen Erfolg“, betont Hans Dill, „wir sind hier wie eine Familie, das hat sich im letzten Jahr bei der 100-Jahr-Feier von Dill-Buttons gezeigt.“ Mittlerweile steht auch die 4. Generation in den Startlöchern.

Die Welt der Knöpfe kann übrigens im Deutschen Knopfmuseum in Bärnau bestaunt werden. Jeweils donnerstags bis sonntags von 13.00 bis 17.00 Uhr. Ein Besuch lohnt sich.  

Wir wünschen Hans Dill und seiner Belegschaft, dass der Knopf weiterhin konkurrenzlos bleiben möge, und wir werden künftig die Knöpfe mit anderen Augen sehen. Danke Hans Dill für die Zeit, die er uns geopfert hat, und Danke für die Unterstützung der Aktion „Merkels Grenzerfahrungen“.

https://www.dill-buttons.com/

LESEN – SICH FREUEN – SPENDEN – DANKE