Spitzenmässig
Spitzenmässig ist nicht nur das Handwerk, sondern auch der charismatische und sympathische Firmenchef der Stickerei Vogel aus Muldenhammer im Vogtland. Als wir ihn „überfallen“, hätte er eigentlich etwas anderes zu tun als sich auf unsere Mission einzulassen. Er lässt sich jedoch überzeugen und zeigt uns seinen Betrieb, in der die berühmte und wertvolle Plauener Spitze gefertigt wird. „Ich bin die 5. Generation“, erzählt er uns nicht ohne Stolz, „unsere Familie hat schon immer gestickt, und da, wo wir gerade stehen, hat einst alles begonnen. Dass wir heute in der ganzen Welt bekannt sind, dafür hat meine Mutter die Basis geschaffen. Sie war es, die nach der Wende wieder angefangen hat, zu sticken.“ Die Geschichte der Stickerei weist Ähnlichkeiten auf mit anderen Betrieben, die wir kennengelernt haben: Gegründet von Vorfahren, solide Familientradition, Verstaatlichung zu Zeiten der DDR, Neubeginn nach der Wende. Bei der Familie Vogel war das nicht anders, und jetzt ist Patrick Vogel der Chef, der mit zehn Mitarbeitenden ein Nischenprodukt fertigt, für das das Vogtland bekannt ist und das es seit mehr als 100 Jahren gibt.
„Früher gab es in jedem Ort eine Stickerei“, erzählt uns der Firmenchef, der das Handwerk von der Pike auf gelernt und sich dann zum Industriemeister für Textil und Stickerei hat ausbilden lassen. „In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts sind die Stickmuster anhand von Lochkarten erstellt worden“, heute gibt es dafür den PC“, ergänzt er. Und daran arbeitet die „Puncherin“ Heidi Ullrich. Man könnte auch sagen, sie ist Schmucktextilherstellerin. Ich nenne sie „Designerin“, denn ihre Aufgabe ist es, Entwürfe und Ideen in Stickmuster umzusetzen. „Bevor sie diese Tätigkeit übernommen hat, war sie Stickerin“, erklärt ihr Chef, und er ist voll des Lobes für ihre Kreativität.
Heidi Ullrich entwirft edle Tischwäsche, Fensterbilder, Lesezeichen, Christbaumbehänge, und vieles mehr. Ihre Entwürfe zeigen z.B. Motive aus dem Vogtland oder weltweit bekannte Bauwerke, Schlösser, berühmte Brücken, sogar Schwarzwälder Kuckucksuhren. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
„Touristen, die auf Herbst- oder Weihnachtsmärkten Plauener Spitze erstehen, legen jedoch großen Wert auf Weihnachtsmotive“, weiß Patrick Vogel aus Erfahrung. „Was angesagt ist, das erfahren wir auf der jährlichen Messe Christmas-World, sie ist ein guter Indikator.“
In der Produktionshalle stehen Maschinen, die aussehen wie überdimensionale Stickrahmen und bis zu 400 Stiche in einer Minute ausführen können. Die Motive werden auf Wasser lösliches Vlies gestickt, das später ausgewaschen wird. Nur so ist es möglich, filigrane Kunstwerke zu fertigen. „Geduld, und Fingerfertigkeit sind maßgebliche Voraussetzungen für die Tätigkeit als Stickerin“, betont Patrick Vogel, und er vergisst nicht zu erwähnen, dass seine Leute auch technisches Verständnis brauchen. „Sie müssen wissen, wie das Sticken funktioniert, wann wo mit welcher Garnfarbe gearbeitet wird. „Das Umfädeln für neue Motive bewältigen die Stickerinnen in etwa 10 Minuten, und das bei einer 13 Meter langen Maschine“ lobt er seine Angestellten, unter denen sich auch Näherinnen befinden. „Spitze, die als Meterware produziert wird, dient häufig als Umrandung von Tischdecken oder -läufern. Mit anderen Worten: Diese Kreationen mit Spitzen zu umsäumen, das übernehmen die Näherinnen, oder sie fügen kleinteilig hergestellte Spitzen zu einem großen Ganzen zusammen.
Patrick Vogel könnte noch stundenlang erzählen, aber wir wollen seine Zeit nicht über Gebühr strapazieren. Eins jedenfalls steht fest: Der Firmenchef, der quasi in der Stickerei aufgewachsen ist, hat die Freude an diesem kreativen Handwerk nicht verloren. Ganz im Gegenteil. „Wenn ich die Freude und Begeisterung der Kunden spüre, wenn ich sehe, wie sie unsere Kreationen bewundern, dann weiß ich, dass ich den für mich richtigen Beruf gewählt habe und dass es Sinn macht, den Familienbetrieb weiter zu entwickeln. Und ich weiß, dass alle, die in unserem Betrieb arbeiten, genauso denken.“
Wir sind begeistert von soviel Engagement. Danke für die Einblicke in eine Kunst, die wir vorher nicht gekannt haben. Danke an Patrick Vogel dafür, dass er die Aktion „Merkels Grenzerfahrungen“ mit einer Spende unterstüzt.
LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!
