Pferdemann
„Ein Leben ohne Pferd ist möglich, aber sinnlos!“ Dieser Spruch stammt zwar nicht direkt von Lothar Preuß, sondern wir legen ihn ihm in den Mund. Spätestens nach Veröffentlichung unserer Reportage wird er den Spruch nutzen – da sind wir uns ganz sicher. Leider treffen wir den begeisterten Wander-, Distanz-, Berg-, Flachland- und Wüstenreiter ohne seinen vierbeinigen Freund Pitu. Das ist schade, aber den Umständen geschuldet. Lothar Preuß kommt aus der Nähe von Rostock, wir kommen gerade zurück aus dem Zittau-Gebirge – unser Treffen findet in Speyer statt. Das ist der Tatsache zu verdanken, dass der passionierte Reiter und Pferdeliebhaber gerade in Rheinland-Pfalz zu tun hat und uns von Kaiserslautern aus entgegen kommt. Er ist von der Aktion „Merkels Grenzerfahrungen“ überzeugt, er möchte spenden, und er hat Geschichten zu erzählen, die einfach in unseren Blog müssen, wenn auch nur verkürzt.
Alleine schon die Tatsache, wie unser Kontakt zu dem unglaublich empathischen Pferdefreund Lothar Preuß zustande kam, wäre eine Geschichte wert. Der Kontakt ergibt sich nämlich durch einen anderen Spender nach dem Motto: „Ich kenne da jemanden, der könnte auch interessant sein für Euch!“ Wieder ein absoluter Glücksfall, wir können es kaum glauben. Jedenfalls spielt das Pferd, oder in der Kindheit das Pony eine große Rolle für den Mann, mit dem wir mehr als zwei Stunden in der Nähe des Speyerer Doms zubringen. Warum nun aber die Begeisterung fürs Pferd? „Weil ich Karl May gelesen habe“, sprudelt es aus Lothar Preuß heraus. „Diese Lektüre hat mich maßgeblich geprägt. Dann war da auch noch mein Opa, während des Krieges berittener Artillerist mit einem aussagekräftigen Fotoabum.. Seine Erzählungen haben mich nachhaltig beeindruckt. Mit ihm zusammen habe ich den ersten Sattel gebaut, später einen eigenen Streitwagen.“ Die Lunte war gelegt!
Auch während seiner Zeit als Berufssoldat (Lothar Preuß war 35 Jahre lang bei der Bundewehr als Luftfahzeugtechniker bzw. Offizier) spielten die Vierbeiner für ihn immer eine herausragende Rolle. Nun wollte er im Sommer 2025 mit Pitu von Warnemünde in die Schweiz und zum krönenden Abschluss auf der Rückreise durchs Brandenburger Tor reiten. Dass daraus nichts wird, ist tragisch, zeugt letzten Endes aber von dem großen Respekt, den der Reiter seinem Pferd entgegen bringt. Pitu hatte sich in einer Pferdebox beim Hinlegen so eingeklemmt, dass er nur unter Schmerzen und mit erheblichen Blessuren überhaupt auf die Beine kam. Ohne zu zögern stellte Lothar Preuß seine Ambitionen zurück. Diesen Respekt und damit die Liebe, die Reiter und Pferd verbinden, hört man aus jedem Satz heraus.
Obwohl der Wanderritt nach rund 700 km vorzeitig endete, hatten beide dennoch eine grandiose Zeit während ihrer Tour durch einen Teil Deutschlands. Etwa die Hälfte des Weges hat der Pferdemann sein Pferd geführt, um es zu entlasten bzw. fit zu halten. „Wanderreiten ist wie Pilgern zu Pferd“ , lässt er uns wissen. Peinlich genau achtet Lothar Preuß immer darauf, dass sein vierbeiniger Freund durch das Gewicht, das er zu tragen hat, nie überlastet ist. Überhaupt erfordert ein Ritt, wie auch immer er geartet ist, die Bedürfnisse des Tieres genau im Blick zu haben: Nicht zu viel Last, immer ordentlich Kraftfutter, der Sattel muss exakt passen….und das ist noch nicht alles. Jedenfalls erfreuten sich Mensch und Tier großer Aufmerksamkeit. Manchmal waren sie die Sensation des Tages. „Wo wir aufgetaucht sind, waren wir Gesprächsstoff“, erzählt der Pferdeliebhaber, „die Menschen boten von sich aus Wasser an, Kinder wollten Pitu streicheln, immer wurden wir gefragt woher, wohin, wieso und warum. Und wenn ein Pferd (nicht im Flur, sondern) mitten in der Stadt vor einer Bankfiliale steht, dann sorgt das natürlich auch für Aufsehen. So haben Pitu und ich es sogar in die Zeitung geschafft.“ Nun ist der Wanderritt nur eine Disziplin, eine andere ist der Distanzritt, und da spielt der Wettbewerbsgedanke eine Rolle: Schnell sein, nach Zeit reiten! Auch das immer im Einklang mit den Bedürfnissen des Pferdes.
Das „Distanzreiten“ ist die große Passion des Naturburschen aus Mecklenburg-Vorpommern. Erfolgreich hat er z.B. an der „TransGermania“ von Pfronten nach Cuxhaven teilgenommen. Lothar Preuß hat die Alpen überquert, wurde vom Flachland- zum Bergreiter. Dass der Tour im Hochgebirge, der „Via Sbrinz“ (ein historischer Alpentransitweg), eine Vorbereitungszeit im Mittelgebirge vorausging, spricht für den verantwortungsbewussten Pferdefreund. „Dann war es plötzlich so weit, die Reitlandschaft war eine völlig andere, alpin eben! – Eine ganz neue Erfahrung mit ganz großen Glücksgefühlen.“ Seither ist Lothar Preuß mit dem Bergvirus infiziert. Pläne für die Zukunft gibt es genug! Immer im Mittelpunkt stehen aber der Respekt vor dem Tier und nette Begegnungen mit den Menschen unterwegs. Es hat sich eine community herauskristallisiert, eine Gemeinschaft der Pferdekenner, in der jeder fast jeden kennt oder in bestimmten Situationen weiter helfen kann. So finden sich unterwegs immer Übernachtungsmöglichkeiten, ob im Freien oder drinnen, es finden sich in brenzligen Situationen auch immer helfende Hände, Osteopathen, die dem Pferd Gutes tun können…
Lothar Preuß ist auch schon in Virginia geritten, in Argentinien, in der Wüste. Er scheut keine Herausforderung und hat viel Lust auf Neues. Dabei formuliert er einen Wunsch, der wieder zeigt, worauf es ihm ankommt: „Möge ich niemals leichtsinnig werden und stets den nötigen Respekt bewahren – vor dem Pferd und vor der jeweiligen Landschaft.“ Wir wünschen diesem empathischen Pferdefreund noch viele harmonische und spannende Begegnungen mit Mensch und Tier und mit der Natur. Herzlichen Dank für diese Story, die locker viel viel länger hätte geraten können. Wir bedanken uns für das „Entgegenkommen“ nach Speyer. Besonders bedanken wir uns für die Spende zugunsten krebskranker Kinder.
Fotos: Lothar Preuß
LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!
