Kulturgut mit Herzblut
…mit ganz viel Herzblut und Liebe zum Detail. Ohne das könnte die Glasmanufaktur „Glasscherben Köck“ in Riedlhütte im Bayerischen Wald nämlich gar nicht existieren. Was Florian und Tanja Köck von den (Schwieger-)Eltern übernommen und weiter entwickelt haben, ist ein Juwel, das es so mit Sicherheit nirgends mehr gibt. Schon auf unserer ersten Spendenreise 2022 waren wir auf der Suche nach einer Glasbläserei. Damals hat man uns in der Glasstadt Zwiesel versichert, im Bayerischen Wald würde kein Glas mehr hergestellt, alle Produkte würden aus China oder sonst woher bezogen und nur noch verkauft werden. Zum Teil stimmt das auch, aber eben nur zum Teil. Neue Reise, neue Recherchen, und tatsächlich finden wir die Stecknadel im Heuhaufen – die Firma Glasscherben Köck. Dort wollen wir hin, koste es, was es wolle. Beim Einchecken in unsere Unterkunft legt uns die Wirtin alle möglichen Aktivitäten ans Herz. Unsere Antwort: Wir wollen in eine Glasbläserei. „Dann göhns zum Glasscherben Köck, dös is a Familienbetrieb“. Bingo!!! Richtig recherchiert! Am nächsten Tag -einem Sonntag- sind wir die ersten Kunden, in Empfang nimmt uns der Chef persönlich – Florian.
Meine erste Frage mag ihn vielleicht verwundert haben, aber sofort war das Eis gebrochen. Ich wollte wissen, wie es kommt, dass jemand, der im baden-württembergischen Mutlangen geboren wurde, einen Familienbetrieb in Niederbayern führt und dass man ihn schon seiner Sprache wegen nie und nimmer im Schwabenland verorten würde. „Ein halbes Jahr nach meiner Geburt bin ich bereits nach Bayern ausgewandert“, lacht Florian Köck. Bei seiner Frau Tanja hat das etwas länger gedauert. Sie ist ein paar hundert Kilometer weiter nördlich aufgewachsen und hat, wie sie sagt, „wohl einmal zu oft ihre Oma besucht“. So ist sie im Bayerischen Wald hängen geblieben, und hat sich nicht nur in Florian verliebt sondern auch in sein Handwerk. Laden und Glasgarten tragen mittlerweile auch ihre Handschrift. Das Angebot ist atemberaubend: Vasen, Lampen, Kugeln, Kreuze, Gläser, Schmuck, Blüten und Tiere aus Glas – alles bunt und filigran. Vor allem die Tiere aus Glas haben es einem Mädchen angetan, dessen Eltern sich mit großer Begeisterung umsehen. „Die Qual der Wahl…“ sagt die junge Frau, „man möchte am liebsten alles mitnehmen.“
Dabei ist der Laden nur ein Teil. Weiter geht’s im Wald-Glas-Garten mit ganz besonderen Exponaten. Sogar eine Krippe ist ausgestellt, mit lebensgroßen Figuren, außerdem ein Glaswald. Ununterbrochen tüfteln Tanja und Florian an neuen Ideen. Und das ist sozusagen überlebenswichtig. Von Auszeichnungen und dem Titel „immaterielles Kulturgut“ kann man nämlich nicht leben. „Bis Corona lief alles gut“, blickt der Firmenchef zurück, „danach hat sich vieles verändert. Die Gaspreise steigen, der Klimawandel trägt dazu bei, dass im Winter nur noch wenige Touristen den Weg in den Bayerischen Wald finden, weil kaum noch Schnee liegt. Aber Jammern ist seine Sache nicht. Lieber überlegt er mit seiner Familie, was sie noch besser machen können. Viel Zeit investieren sie in Schulklassen. Kindern und Jugendlichen das Handwerk nahe bringen, das ist sein Ziel. „Wir müssen durchhalten, sonst geht wertvolles Wissen und Können verloren.
In den 1990er Jahren haben meine Eltern die damals kleinste Studioglashütte Deutschlands in ihrer Garage eingerichtet und damit begonnen, aus Scherben der heimischen Glasindustrie hochwertige Glasunikate zu produzieren. Im Jahr 2000 habe ich meine Ausbildung zum Glasapparatebauer und Kunstglasbläser beendet und bin in den Betrieb eingestiegen.“ Kleines Detail am Rande: Florian hat die Ausbildung als 1. Bundessieger abgeschlossen. Das sollte aber nicht der einzige Preis bleiben: Für den ersten gläsernen Maibaum der Welt werden Florian und Erhard Köck, der Firmengründer, mit dem Glasstraßenpreis ausgezeichnet. Seine Leidenschaft möchte Florian weiter tragen. Deshalb bietet er Kindern einmal wöchentlich an, selbst Glas zu blasen. „Kinder und Jugendliche sind immer herzlich willkommen, aber natürlich können sich auch Erwachsene beim Glasblasen ausprobieren. „Jedes Werk ist ein Unikat, gefüllt mit der eigenen Luft und entstanden aus selbst ausgesuchten Farben“, gibt Florian zu bedenken.
Das eigene Produkt dürfen die jungen Interessenten mit nach Hause nehmen, aber nicht sofort, das ist wichtig zu wissen. Das fachgerechte Herunterkühlen der neu gefertigten Glaskreation ist unerlässlich, sonst geht sie kaputt“, erklärt der Fachmann, der in der Werkstatt immer noch von seinem Vater und einem langjährigen Kollegen unterstützt wird. Mit Begeisterung sind alle dabei, wenn sich Gruppen anmelden. Florian bietet auch englischsprachige Führungen an. Neuerdings präsentiert sich Glasscherben-Köck auch auf Instagram. Dafür ist Tanja zuständig. „Glas ist so ein toller Werkstoff“, sagt Florian, „ein Werkstoff, der während der Produktion allerdings auch ein Eigenleben entwickelt. „Zwar weiß ich immer, wie das Kunstwerk im Endeffekt aussehen soll, wie sich die Farben aber mischen, bleibt immer eine Überraschung.“
Ihre Begeisterung haben Erhard und Florian Köck übrigens schon an die dritte Generation weitergegeben. Kilian besucht im 2. Jahr die Glasfachschule in Zwiesel. Im elterlichen Geschäft existiert bereits eine Ecke mit echten „Kilian“-Produkten. Ob der Sohnemann die Firma Glasscherben-Köck in die nächste Generation führen wird, hängt davon ab, wie sich die Zukunft gestaltet. „Wenn’s dumm läuft, könnte Kilian mal der letzte Glasbläser im Bayerischen Wald sein“, befürchtet sein Vater. Aber so weit ist es noch nicht. Noch überwiegt die Begeisterung für einen seltenen, aber kreativen Beruf, und was die Familie Köck dafür tun kann, dass der Beruf nicht ausstirbt, das tut sie – mit jeder Faser ihres Herzens. Darum: Leute, wenn ihr in den Bayerischen Wald kommt, schaut euch die wunderbaren gläsernen Kunstwerke an, es lohnt sich! Den Glaskünstlern aus Riedlhütte wünschen wir ganz viel Erfolg mit ihrer Arbeit. Wir bedanken uns für den Einblick in eine für uns fremde Welt und für eine Spende zu Gunsten krebskranker Kinder.
https://www.glasscherben-koeck.de
Bildquelle: Glasscherben Köck und Richard Merkel
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