„Küchenbulle“ und Ex-Kollege
Keine Sorge: Der Begriff „Küchenbulle“ stammt nicht von uns. Vielmehr bezeichnet Burkhard Aden sich selbst genau so. Ex-Kollege nennen wir ihn, weil er über Jahre hinweg sein Büro beim SWR hatte und mitverantwortlich war für den Aufbau der Medien- und Event-Akademie in der Baden-Badener Cité. Wir treffen ihn in Niendorf/Timmendorfer Strand an der Ostsee nach einem bis dahin desillusionierenden Tag. Am Ostseestrand waren wir auf der Suche nach einer Strandkorbvermietung. Das passt zum Umfeld. Tatsächlich wollte von dieser Klientel niemand mit uns sprechen. Alle Gefragten, das müssen wir leider so sagen, waren irgendwie „von oben herab“. Am Nachmittag streichen wir die Segel und gehen „Frust-Essen“ – im vor gerade mal vor 3 Wochen eröffneten Restaurant „MeerGenuss“. Dort kümmert sich der selbst ernannte „Küchenbulle“ persönlich um die Wünsche der Gäste, sofern er die Zeit dazu hat.
Überhaupt arbeitet er in einer offenen Küche, hat somit den direkten Blick in den Gastraum und sieht sofort, wer das Lokal betritt. Jedenfalls war schon der erste Kontakt erstaunlich angenehm. Schon beim „amuse gueule“ erzählt uns Burkhard Aden woher und warum er gerade dieses Brot bezieht und wie genau er die Kräuterbutter selbst herstellt. Nachdem er unsere Wünsche aufgenommen hat, fragt er ganz direkt woher wir kommen.„Ja dann könnemer jo Badisch schwätze“, antwortet er zu unserer Überraschung. Ein Wort ergibt das andere, es reift die Gewissheit: Diesen Mann schickt uns der Himmel. Unsere Speisenauswahl war schnell getroffen. Bevor der Küchenchef sich an die Arbeit macht, lässt er uns wissen: „Ich bin leidenschaftlicher Hobbykoch“. Küchenparties und Kochwettbewerbe sind vor ihm nicht sicher und auch nicht die Sterneköche der Nation. In einer Kochshow, die im Oktober im Fernsehen ausgestrahlt werden soll, wird Burkhard Aden zu bewundern sein.
Gerade ist der frühere Topmanager, der sich durch seine zugewandte Art auszeichnet, in Rente gegangen. Seine Frau, die ihn überhaupt erst so weit in den Norden gezogen hat, hat aber noch ein paar Jahre zu arbeiten. Zeit also, seinem Hobby zu fröhnen. So war es kaum verwunderlich, dass er die Chance ergriff, selbst Chef zu werden. Burkhard Aden hat nicht lange gefackelt als ein Restaurant in Niendorf geschlossen werden musste. Schon länger schlummerte in ihm der Wunsch nach einem eigenen Lokal. Mit einem einzigen Mitarbeiter und ganz viel Herzblut schmeißt er den Laden. Sein Wunsch: Ein Ganzjahres – Restaurant zu etablieren. Das ist für die Ostseebäder nicht unbedingt normal. Der Mann, der aus dem nördlichen Nordrhein-Westfalen stammt, mehrere Sprachen spricht und die meisten Dialekte zuordnen kann, ist viel in der Welt herum gekommen – immer in gehobenen Positionen als Geschäftsführer oder Vorstand bedeutender Konzerne. Der Hobbykoch, wie er sich nennt, geht die neue, selbst gestellte, ganz anders geartete Herausforderung locker an. Man hat den Eindruck, dass ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann.
Dass er sozial eingestellt ist, erzählt er ganz nebenbei, dass er den Dalai Lama zweimal im Leben persönlich getroffen und mit ihm gesprochen hat, ebenso. Einmal ist er dem Oberhaupt des tibetischen Buddhismus in Baden-Baden begegnet – bei der Verleihung des Medienpreises. Damit wären wir wieder in unserer Region. Dass er das Unimog – Museum kennt und die Unimog – Teststrecken, erwähnt der Wahl-Niendorfer en passant. Es hätte noch viel zu „schwätzen“ gegeben, aber irgendwann muss er zurück an den Herd, Vorbereitungen treffen für die Abendgäste. Wir schätzen uns glücklich, dass uns dieser unprätentiöse Mensch über den Weg gelaufen ist, und wir bedanken uns sehr herzlich für seine Spende zugunsten krebskranker Kinder. Unser Tag endet damit versöhnlich und mit der Gewissheit, dass wir nicht ohne eine interessante Geschichte schlafen gehen werden.
Restaurant MeerGenuss
Strandstraße 138, 23669 Niendorf
LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!
