Kuchenfeuer

Kuchenfeuer? Was ist das denn bitteschön? Diese Frage hört Christiane Mrozek tagtäglich mehrfach – hauptsächlich von Radlern, die den Ostsee-Radweg entlang rollen. Etwa 200 m vor ihrer mobilen Kuchenstation weist eine Tafel auf ihr einmaliges Angebot hin. „Eine solche Kuchenstation mit Kaffeebude gibt es in dieser Form sonst nirgends“, zeigt sie sich überzeugt. Tatsächlich ist die Idee genial und das ganze Drumherum Marke Eigenbau. „Die ‚Baugenehmigung‘ für unser Kuchenmobil ist gefühlt 5 cm dick“, berichtet die Hobbybäckerin. Viele Vorschriften müssen eingehalten werden. Drei Seiten des Kuchenstandes müssen geschlossen sein, das Wasser muss auf mindestens 68 Grad erhitzt werden können, und alles muss abwaschbar sein – klar, der Hygiene wegen. Für die „Jungunternehmerin“ alles kein Problem. Christiane Mrozek ist eine Frau, die anpackt und die ein Ziel nie aus den Augen verliert, ganz gleich, wie schwierig es auch umzusetzen sein mag. Kuchenfeuer, um die wichtigste aller Fragen zu beantworten, besteht in der Hauptsache aus einem Grill und Schraubgläsern. In die Gläser kommt der fertige Kuchenteig, die Gläser kommen in den Grill. Wenn sich ein wunderbares Aroma einstellt, dauert es nicht mehr lange bis der Kuchen aus dem Grill fertig ist. Dazu gibt es aromatischen Kaffee.

Vieles schüttelt Christiane Mrozek aus dem Ärmel, so ist jedenfalls unser Eindruck. Die Rezepte zahlreicher Kuchensorten hat sie im Kopf, einige davon hat sie selbst entwickelt, andere hat sie modifiziert. Die Arbeitsgänge erledigen sich fast automatisch. Während sie die Käsekuchenmasse in Gläser füllt und ihr Partner das Kuchenmobil außen herum noch auf Vordermann bringt, erzählt sie von den Anfängen. Die Geschäftsidee hat sich ergeben als ein beruflicher Umbruch stattfand, sie lebte damals noch in Berlin. „Jetzt war die Zeit, zu überlegen, was ist mir wichtig, und was kann ich gut?“ resümiert sie. „Latent war da schon immer der Wunsch nach einem eigenen Café. Unsere Lebensumstände erforderten tiefgreifende Änderungen, darin haben wir eine Chance gesehen. Das ist jetzt ziemlich genau zehn Jahre her, im nächsten Sommer feiern wir Jubiläum.“ Aktuell steht der Kuchengrill in Rosenhagen, unweit von Travemünde, nur ein Katzensprung ist es an den Ostsee-Strand.

Wir unterscheiden zwischen Strandpublikum und Hauspublikum. Dazu gehören die bereits erwähnten Radwanderer. Sie können sich hinter dem Kuchenmobil auf Stühlen niederlassen, gemütlich ihren Kaffee trinken und die feinen Grillkuchen genießen. Das Angebot ist saisonal ausgerichtet und umfasst viele Sorten: Schoko-Kirsch-, Mohn-Pflaumen-, Käse- oder Birnenkuchen, mit einem Gewürz aus Marokko verfeinert. Die Liste ist noch viel länger. An richtig schönen Sommertagen backt Christiane Mrozek bis zu 120 kleine Kuchen, an schlechten Tagen etwa die Hälfte. Wichtig ist ihr, dass jeder Kuchen mit einem anderen Gewürz verfeinert wird. Alle Zutaten sind schnell zur Hand, die Arbeitsgänge optimiert. Das 3×3-Meter große Klappzelt bringt es mit sich, dass alles in Reichweite steht. Die Kuchenexpertin verzichtet auf Einweggeschirr. Kaffee trinkt man aus normalen Tassen, der Kuchen wird aus dem Glas gelöffelt. Eine Spülmaschine ist an Board. Gebacken wird mit Biomehl, alle Kuchen sind glutenfrei.

Logischerweise spielt das Wetter eine wichtige Rolle: „Wir backen auf Sicht“, erklärt sie. Wie schnell die Wetterverhältnisse sich ändern können, haben wir schon oft erlebt. „Normalerweise sind wir vom 15. Mai bis zum 15. September vor Ort, aber es gibt auch Tage, an denen der Kuchengrill kalt bleibt. An Regentagen kommen keine Gäste, das liegt auf der Hand.“ Geöffnet ist der Grillkuchen-Stand ab 12 Uhr, vorher wird gebacken, der Stand wird hergerichtet. Sogar ein Teppich wird ausgerollt. „Die Strandgäste kommen barfuß, und sie sollen nicht unbequem auf Steinen stehen müssen“ erläutert der Mann im Hintergrund, der die Basis dafür bildet, dass das Ambiente einladend wirkt. Für Kinder baut er sogar eine kleine Spielecke auf. Christiane Mrozek und ihr Partner ergänzen sich ideal. Wenn er den täglichen Aufbau bewältigt hat, drapiert sie die frisch gebackenen Kuchen. Manchmal bietet sie sogar kleine Törtchen an – Biskuitteig mit Füllung und Sahne-Topping.

Lia hilft während der Hochsaison

Christiane Mrozek erfindet sich immer wieder neu. In der Hochsaison freut sie sich über die Unterstützung von Lia, die gerade noch letzte Hand anlegt, bevor die neugierigen, hungrigen und Kaffee-durstigen Gäste ihre Fahrräder parken und sich auf den Stühlen im Gras niederlassen. Dann ist die Dame vom Kuchenfeuer glücklich, denn der Kontakt mit Menschen muss sein. Dieser Wunsch hat mit dazu beigetragen, dass sie vor knapp zehn Jahren in das wirklich kalte Wasser der Selbständigkeit gesprungen ist. Sie hat es nie bereut. Wir wünschen Christiane Mrozek und ihrem Partner noch viele Sonnentage, bevor das Kuchenmobil Mitte September über den Winter wieder eingemottet wird, und wir sagen ein herzliches Dankeschön für die Unterstützung der Initiative „Merkels Grenzerfahrungen“.

Standplatz: Strandzugang 4 in Rosenhagen

https://kuchenfeuer.de

LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!