Frau Dosenfisch
Um es gleich vorwegzunehmen: Frau Dosenfisch aus Prerow hat die Fischdosen nicht alleine leer gefuttert, um sie später mit Kunst zu füttern. Wohlweislich hat Manuela Ramoth, wie die Künstlerin mit bürgerlichem Namen heißt, aber abgeklärt, ob aktuell überhaupt noch Fisch aus Dosen verzehrt wird. Das Ergebnis war eindeutig. Sie würde genügend Fischdosen bekommen, um ihnen ein künstlerisches Innenleben einhauchen und sich mit dem Künstlernamen „Frau Dosenfisch“ schmücken zu können. Einen solch markanten Namen trägt man nämlich als Markenzeichen, wenn möglich, ein ganzes Leben lang vor sich her.
Als Frau Dosenfisch war die Frau aus Prerow schon oft in den Medien. Viele Kunden (auch wir) kennen sie z.B. aus dem ZDF Morgen- und Mittagsmagazin oder von anderen TV-Sendungen. Beispielsweise war sie mit Judith Rakers unterwegs. Können wir ein solches Juwel links liegen lassen? Auf gar keinen Fall! Also stiefeln wir, als die rote Fahne aufgestellt ist (das Zeichen dafür, dass das Atelier offen ist), in ihr Geschäft, stellen uns vor und berichten von unserem Herzensprojekt „Merkels Grenzerfahrungen“. Vor dem Eingang steht übrigens eine Box, da hinein wandern Dosenspenden. Manch netter Mensch gibt eine gesäuberte Dose aber auch persönlich ab. Das ist der Fall als wir Manuela Ramoth in ihrem Atelier besuchen. Wie um alles in der Welt kommt man nun aber dazu, Kunstwerke in Fischdosen einzuarbeiten oder andersherum Fischdosen als Rahmen zu verwenden? „Im Jahr 2014 hatte ich die Idee, kleine Funde in gleichen Rahmen zu präsentieren. So kam ich auf die Fischdose, die gibt es schließlich en masse. „Damit war Frau Dosenfisch geboren“, berichtet die Künstlerin, die mit vielen verschiedenen Materialien umgeht. Vor der Tür stehen – mit einem Willkommensschild geschmückt – zwei Figuren, die so aussehen, als seien sie aus Stein. Weit gefehlt!. „Die beiden sind aus Papier, denn auch Pappkameraden lassen sich stabil und haltbar machen.“ Eine Art Vase oder Blumenkübel im Innern ist ebenfalls aus Papier, verziert mit Funden von den umliegenden Stränden.
Manuela Ramoth ist außerdem eine exzellente Fotografin und Malerin. Ihre Motive findet sie in der Natur und am Wasser. Von beidem gibt es auf dem Darß mehr als genug. Stein und Glas gehören ebenfalls zu ihren Arbeitsmaterialien. In Gläsern gesammelt und auf ihrem Arbeitstisch ausgebreitet, zeigt sie uns ein ganzes Sammelsurium. Keiner ihrer Funde gleicht exakt dem anderen. „So kann ich absolut sicher sein, dass keines meiner Kunstwerke eine Kopie eines anderen ist“, freut sich Frau Dosenfisch. Zum Ausgestalten der Fischdosen nimmt sie als Grundlage selbst geschöpftes Büttenpapier, darauf malt sie einen Fischkörper. Der Fischkopf ist ein Stein, und auf dem Kopf thront ein kleines meistens rotes Mützchen, so groß wie ein Fingerhut, selbst gehäkelt von Frau Dosenfisch. Ein Fisch in einer orangefarbenen Dose trägt ein gelbes Mützchen. Frau Dosenfisch gestaltet nämlich auch Auftragsarbeiten. Mit unterschiedlichen Materialien kombiniert die Künstlerin viele verschiedene Techniken und schafft dadurch einzigartige Kunstwerke. Ein Bild an der Wand lenkt unsere Aufmerksamkeit auf sich: Fische, dargestellt mit echten Gräten und anderen Materialien. Die Kunstwerke haben den absoluten Bezug zur Ostseeküste, zum Darß.
Bereits seit 1998 kombiniert Manuela Ramoth Strandfunde mit Papierkunst. Ihre Ausstellung „Dosenfisch und andere Köstlichkeiten“ sollte unbedingt in Prerow präsentiert werden. Sie war ein voller Erfolg. „Ich wollte immer schon Künstlerin werden“, blickt die Künstlerin zurück. Der Liebe wegen lebte sie eine Zeitlang in Berlin, betrieb dort eine Tankstelle. Die Kunst hat sie indessen immer begleitet – Kunst in vielfältiger Art und Weise. Manuela Ramoth ist nämlich auch Buchbinderin, Autorin und Dozentin. Sie bietet Workshops und Kurse an.
Heute lebt Frau Dosenfisch ihren Traum im wunderschönen Prerow, gestaltet Ausstellungen, geht auf Märkte, stellt in Galerien aus. Sie ist leidenschaftliche Strandläuferin. Allerdings kann sie diesem Hobby nur im Winter frönen. „Das hat aber auch Vorteile, denn die Strände sind leer, Fundstücke somit schneller sichtbar, und die Herbststürme spülen vieles an Land.“ Die Ideen gehen Frau Dosenfisch nicht aus, Zukunftspläne haben sich in ihrem Kopf bereits manifestiert. Wir drücken ihr die Daumen, dass sich ihr Großprojekt (ein eigenes Haus mit Atelier) rasch umsetzen lässt, wünschen weiterhin zündende Ideen, wir bedanken uns für die spannenden Einblicke in ihre Arbeit und für ihre Spende für krebskranke Kinder.
https://www.fraudosenfisch.de/
LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!
