Eine Auszeit im Ferienhotel Mühlleithen in Klingenthal
Noch gar nie haben wir über eine Unterkunft berichtet. Diesmal ist das anders, denn im Ferienhotel Mühlleithen fühlen wir uns von der 1. Sekunde an allerbestens betreut. Kaum öffnen wir die Tür, saust uns die Rezeptionistin entgegen und hilft uns mit dem Gepäck. Später stellt sich heraus, sie ist die Chefin, Tina Goldhahn. Sofort entspinnt sich ein herzliches Gespräch und wir erzählen ihr von unserer Mission, von der Deutschland-Umrundung und warum wir diese spezielle Reise nun schon zum zweiten Mal unternehmen. Tina Goldhahn möchte mehr darüber erfahren, und sie deutet an, dass sie sich spendentechnisch beteiligen möchte. Diesmal ist alles anders. Normalerweise suchen wir uns Gesprächspartner und bitten im Gegenzug um eine Spende. Diesmal besteht Aussicht auf eine Spende, und wir bieten eine Reportage an, nachdem wir Zimmer und Service in Augenschein genommen haben.
Von unserem Zimmer sind wir so begeistert, dass aus zwei gebuchten Nächten drei werden. Obwohl die Verlängerung wegen Vollbelegung aufs Wochenende hin schwierig ist, findet Tina Goldhahn eine Lösung. Danke dafür! Begeistert sind wir auch vom Abendessen. Die Speisekarte ist ganz nach unserem Geschmack, der Service freundlich, die Speisen sind so angerichtet, dass auch das Auge seine Freude hat. Später am Abend sitzen wir am Schreibtisch und schreiben, wie jeden Abend, eine Reportage. Es ist ein bequemes Arbeiten, das hat man nicht überall. Weit nach Mitternacht fallen wir ins Bett und schlafen wie ein Stein. Dazu sollten wir erwähnen: Das Hotel liegt zwar nicht weit von der Durchgangsstraße entfernt, aber trotzdem ruhig und mitten in der Natur. Eine großzügige Terrasse lädt nach hinten raus zum Relaxen oder Grillen ein, und im Winter zu einer Schneeparty. Das Hotel liegt auf einer Höhe von knapp 900 m und gleich hinter dem Haus kann man in eine Loipe einsteigen. Dass das Wetter während unseres Aufenthalts durchwachsen ist, dafür kann niemand etwas. Jedenfalls fühlen wir uns am nächsten Morgen gut ausgeschlafen und motiviert für neue „Reportagen“.
In dieser Hinsicht entpuppt sich die Hotelchefin als wahre Fundgrube. Schon bei der Ankunft signalisiert sie uns, dass sie Ideen hat, an wen wir uns wenden könnten und wer möglicherweise zugänglich wäre für eine Spende zugunsten der Aktion „Merkels Grenzerfahrungen“. Sie hält ihr Wort und drückt uns nach dem Frühstück eine kleine Liste in die Hand, versehen mit Telefonnummern. Aber zuerst ein Wort zum Frühstück: abwechslungsreich, vielfältig, appetitlich angerichtet, kein Wunsch bleibt offen. Dazu kommt die nette Ansprache der Frühstücksdame, die schon weiß, in welcher Mission wir unterwegs sind und auch sofort mit uns ins Gespräch kommt. An diesem Tag fühlten wir uns wie im Schlaraffenland. Wir sind spät dran, und die meisten Gäste schon unterwegs. Ein Traum! Wir haben alle Zeit der Welt, die Liste durchzuarbeiten und zu überlegen, wohin wir uns bezüglich Reportage und Spende wenden wollen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Es wurde ein Erfolgstag, auch dank der Initiative der Hotelchefin, die diesen Status nicht vor sich her trägt.
Tina Goldhahn wuselt überall im Haus. Sie ist sich auch nicht zu schade, den Staubsauger in die Hand zu nehmen – flache Hierarchie! „Hier kann jeder (fast) alles machen“, sagt die junge Hotelchefin, „wenn ich nicht an der Rezeption sein kann, dann klingelt das Telefon eben in der Küche, und die Kollegen dort helfen den Anrufern genauso gut und genauso gerne weiter, wie ich das tun würde. Da habe ich vollstes Vertrauen.“ Abends, als das Nebenzimmer voller Gäste sitzt und auch im Restaurant „Vugelbeerbaam“ alle Plätze besetzt sind, springt Stefanie Roth beim Service ein. Normalerweise ist sie die rechte Hand der Chefin. Auch Annett Schimmer hat alle Hände voll zu tun. Sie ist die gute Seele im Haus und gehört seit 25 Jahren zur Belegschaft. Damals hat noch die Mutter von Tina Goldhahn das Hotel geleitet. „Möblierung und Deko des Hauses geht auf meine Mama zurück“, erklärt ihre Tochter, „aber wir haben denselben Geschmack, deshalb hat sich am Grundkonzept nicht viel verändert als ich das Haus vor 12 Jahren übernommen habe.“ Wer nicht weiß, dass das Hotel vor ca. 20 Jahren renoviert wurde, denkt, das Haus ist neu eingerichtet. Helles Holz, gemütliche Plätzchen überall -auch im Freien- und die Handschrift eines Drechslers, der für viele liebevolle Details gesorgt hat. Aber nicht nur der Drechsler hat seine Handschrift hinterlassen sondern auch Thomas Fischer, der ebenfalls seit 25 zu der übersichtlichen Belegschaft gehört. Mit seinen Fähigkeiten hat er einen Großteil der Zimmer selbst ausgebaut. „Eine echte Koryphäe“ nennt ihn seine Chefin. Inzwischen ist er der Mann für alle Fälle, er steht in der Küche, wenn seine Frau Gili für den Frühstücksservice zuständig ist, backt Kuchen für die Gäste, und wenn die Arbeit in der Küche beendet ist, schmeißt er sich in Montur und hilft mit seinen handwerklichen Fähigkeiten.
„In den 1970er Jahren war das heutige Ferienhotel ein Ferienheim. Nach der Wende hat die Vorgängergeneration das Haus von der Treuhand gepachtet, später gekauft und umgestaltet“, blickt Tina Goldhahn zurück. Es ist ein echtes Schmuckstück geworden. Ach ja: Ganz nebenbei haben wir Nachhilfeunterricht im Vogtländischen Dialekt bekommen. Die Karte mit den typischen Gerichten beinhaltet nämlich Begriffe, die wir so noch nie gehört haben. Oder weiß vielleicht jemand, was „Bambes“ und „Schwammebrie“ sind? Eben! Wir mussten auch nachfragen. „Bambes“ sind Kartoffelpuffer, und „Schwammesbrie“ ist eine Pilzsoße. Bei dem Gericht „Schwammespalken“ handelt es sich um einen typisch vogtländischen Eintopf. Wieder was dazu gelernt.
An einem der Abende treffen wir übrigens auf sechs Damen, sie kommen einmal im Monat zum „Mädelsabend“, alles einheimische Ladies. „Wir leben und sterben mit diesem Haus“, sagt eine von ihnen, die anderen unterstreichen das. Sie alle sind mehr oder weniger mit dem Ferienhotel gewachsen. „Das Haus hat so viele Alleinstellungsmerkmale“, unterstreicht eine andere Dame, „hier muss man sich einfach wohlfühlen.“ „Das Haus ist wichtig für uns persönlich, aber auch für den Ort. Es gibt kein anderes mehr in Mühlleithen, hier findet alles statt – von der Ortsversammlung bis hin zur Weihnachtsfeier“, ergänzt eine andere Stammtischteilnehmerin. Im Giebelstübchen unterm Dachjuchhee kommen wir mit einem Ehepaar aus Leipzig ins Gespräch, Gäste, die vor 30 Jahren zum Skilaufen nach Mühlleithen gekommen sind. „Die Einrichtung ist neu“, konstatieren sie, aber am Service hat sich nichts geändert, das Personal war schon immer so aufmerksam.“ Die Giebelstube gibt übrigens interessante Eindrücke in die sportliche Karriere der Hotelchefin. „Die Ausbildung zur Hotelfachfrau hat diesbezüglich einen Schlusspunkt gesetzt, denn die Arbeit im Hotel lässt sich mit Wettkämpfen nicht vereinbaren“, erläutert die ehemals erfolgreiche Sportlerin, „es hat eben alles seine Zeit.“
„Natürlich haben sich die Zeiten nach Corona verändert“, blickt Tina Goldhahn zurück, „es kommen so gut wie keine Bustouristen mehr, aber wir tun alles dafür, dass sich die Gäste hier wohlfühlen. Dafür ist Mund-zu-Mund-Propaganda wichtig und vielleicht diese Reportage. Wir jedenfalls sind des Lobes voll, und das sagen wir aus voller Überzeugung. Wir waren bestimmt nicht zum letzten Mal in diesem wunderschönen Haus, mit der geschmackvollen Einrichtung und dem zuvorkommenden Personal.
https://www.ferienhotel-muehlleithen.de
LESEN- SICH FREUEN – SPENDEN – DANKE
