Ein Stern geht auf

So wie der Polarstern Reisenden verlässlich die Richtung zeigt (er geht abends als erster Stern am Himmel auf und schaltet am Morgen als letzter sein Licht aus), so hat er dem Ehepaar Kurbjuhn vor mehr als 30 Jahren den richtigen Weg gewiesen. In Hessen einmal alles aufgeben und an der Ostsee neu anfangen – das erfordert Mut, Risikobereitschaft, Zuversicht und Gottvertrauen. Das scheint Albrecht Kurbjuhn zu haben, sonst hätte er wohl kaum den ZDF-Gottesdienst aus Kühlungsborn mitgestaltet. Dieser Gottesdienst stand unter dem Motto „Gastfreundschaft“, und genau das ist es, was Familie Kurbjuhn als Betreiber des Hotels Polar-Stern Tag für Tag gelebt hat – in einem denkmalgeschützten Haus, mit großer Leidenschaft., und das jetzt von Tochter Sarah und Schwiegersohn Sebastian Koller weitergelebt wird.

Dagmar und Albrecht Kurbjuhn
Sebastian und Sarah Koller
Sarah und Sebastian Koller mit dem Serviceteam

Diesen charismatischen Menschen Albrecht Kurbjuhn wollen wir unbedingt kennenlernen, seine Geschichte wollen wir erzählen. Aber leider – leider konnten wir ihn im Hotel nicht antreffen. Umso größer ist die Freude, dass seine Tochter Sarah sich Zeit für uns nimmt.

Um es auf den Punkt zu bringen: Dagmar und Albrecht Kurbjuhn machen 1992 zum ersten Mal Urlaub an der Ostseeküste. Sie und ihre beiden Töchter, damals 5 und 10 Jahre alt, sind so begeistert von der Region, dass sie bei einem Abendspaziergang entlang der heutigen Ostseeallee in Kühlungsborn darüber nachdenken, alles hinter sich zu lassen und als Hoteliers neu anzufangen – als Quereinsteiger wohlgemerkt. Mutig!!! „Wir sind gerne in Hotels unterwegs, und wir wissen, was Gäste wollen und brauchen, das war die Einstellung meiner Eltern“, erinnert sich Sarah Koller zurück. „Meine Mutter hatte nur eine einzige kleine Bedingung. Ein eigener kleiner Beherbergungsbetrieb sollte maximal über 7 Zimmer verfügen.“ Diese Rechnung ging jedoch nicht auf, denn die Bedingungen so kurz nach der Wende waren schwierig. Welche Objekte – es waren zum damaligen Zeitpunkt genau 2 – stehen überhaupt zum Verkauf, wie sind die Eigentumsverhältnisse, welche Rolle spielt die Treuhand – all diese Fragen müssen geklärt werden. Und sie werden geklärt, denn schon ein Jahr später, 1993, zieht die junge Familie von Hessen nach Mecklenburg-Vorpommern. Tochter Sarah wird in Kühlungsborn eingeschult. „Auch wenn die Anfangszeit für meine Eltern schwierig war, fehlte es mir an nichts“, schaut sie zurück, „ich hatte alles und meine Eltern immer in meiner Nähe .“ Später tritt sie in die elterlichen Fußstapfen. Seit drei Jahren führt sie mit ihrem Mann Sebastian das Hotel Polar-Stern mit 23 Zimmern in allerbester Lage.

Zwischen dicht belaubten Bäumen blitzen die Wellen der Ostsee hervor, im Winter liegt die Ostsee den Hotelgästen quasi zu Füßen. Wie der Fixstern ist nämlich auch das gleichnamige Hotel ganzjährig ein verlässlicher Partner. Bis dahin aber war es ein weiter Weg. Blick zurück ins Jahr 1993: Innerhalb nur eines Jahres sind die Finanzierung geklärt und ein Businessplan erstellt. Zur Aneignung des nötigen Fachwissens und als Voraussetzung für die Finanzierung  absolviert Albrecht Kurbjuhn den Deutschen Wirtsbrief des DeHoGa. „Für uns alle war alles neu“, resümiert Sarah Koller. „In einer Hauruck-Aktion ging der Umbau über die Bühne, und der war nicht einfach. Zum einen waren die Vorschriften des Denkmalschutzes einzuhalten, zum anderen wohnten wir dort, wo alles umgekrempelt werden musste. Da die Bäder anfänglich noch auf dem Flur waren  mussten sie für jedes Zimmer nachgerüstet werden – kein leichter Job.“ Wer heute in das Haus aus dem Jahr 1913 kommt, kann sich kaum vorstellen, wie vor 30 Jahren alles ausgesehen haben mag. Zu den 23 Zimmern gesellen sich aktuell mehrere Appartements, Bülow’s Steak-Restaurant, ein sog. Grillarium mit Feuerplatz, eine Bar, eingerichtet in einer ehemaligen Garage, und viele Räumlichkeiten für Events. Das alles managt Sarah Koller mit ihrem Mann Sebastian und einem 36-köpfigen Team aus sieben Nationen.

Begonnen haben meine Eltern mit drei Angestellten, und bestimmt haben damals auch gelegentlich Existenzängste mitgespielt. Es war eine Zeit des doppelten Umbruchs. Alles hat sich verändert, keiner wusste, wohin alles läuft, und wir haben unsere Heimat im Hessischen verlassen“, blickt die heutige Chefin zurück. „Als Kind fand ich das einfach nur spannend, während meine ältere Schwester den Umbruch mehr zu spüren bekam. Sie hat im Gegensatz zu mir ja ihre alten Schulfreunde zurück gelassen. Ähnlich erging es meiner Mutter. Auch sie hat ihre Freunde vermisst.“ Albrecht Kurbjuhn indessen hatte einen guten Riecher. Er hat den Aufbruch gespürt und das Beste daraus gemacht. „Er war schon immer ein Visionär mit vielen Ideen“, sagt Sarah Koller über ihren Vater. „Von Anfang an hat er sich eingebracht in Vereinen, Gremien und im Tourismusverband. Er hat nicht nur die Ärmel hoch gekrempelt sondern auch dafür gesorgt, dass die Familie an ihrem neuen Zuhause gut aufgenommen wird. Mit Überzeugungsarbeit hat er überall den Schulterschluss gesucht und geschafft. Meine Eltern hatten immer eine gut funktionierende Arbeitsteilung. Er war der Außenminister, meine Mutter die Innenministerin.“ So war es Dagmar Kurbjuhn, die sich um die Zimmerbelegung gekümmert hat, die froh war, wenn eine Buchung ins Haus kam. Es dauert einige Jahre bis alles reibungslos läuft und ein kollektives familiäres Aufatmen zu hören ist.

Blüthner-Flügel von 1913 - am Eingang zur Bar
Barkeeper J.-P.
großzügiger Außenbereich

Heute leuchtet der „Polar-Stern“ weit über die Region hinaus. Die Zimmerbelegung stimmt, für das Restaurant ist eine Reservierung sinnvoll, durch zahlreiche Events und Kunstausstellungen kommen zusätzliche Gäste ins Haus. Das alles hängt zusammen mit dem charismatischen Ehepaar Koller und seinen überaus aufmerksamen Angestellten. Das Hotel Polar-Stern ist übrigens ein Top-Ausbildungsbetrieb. Personalknappheit kennt Sarah Koller nicht. Längst hat sich nämlich herum gesprochen, dass alle Mitarbeitenden wertgeschätzt werden. „Wir haben ein tolles Team“, freut sich die Chefin, „ich freue mich auf die Zukunft. Und wenn ich eines gelernt habe in den 14 Jahren meiner Tätigkeit im Hotel, dann ist das die absolute Gewissheit, dass, wenn eine Tür zugeht, eine andere sich öffnet.“ Für uns hat sich auch eine Tür geöffnet. Sarah Koller zeigt sich aufgeschlossen unserer Spendenaktion gegenüber. Wir freuen uns, dass wir vom Hotel Polar-Stern Unterstützung erhalten für die Aktion „Merkels Grenzerfahrungen“. Auch wenn wir Albrecht Kurbjuhn, den Mitgestalter des ZDF-Gottesdienstes, nicht persönlich getroffen haben – seine Tochter hat ihn in wunderbarer Weise vertreten. Vielen herzlichen Dank dafür, und Danke für eine Spende.

https://www.polar-stern.com/

LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!