Ein Leben für den Fisch

Nein, Stopp! So ganz stimmt das nicht. Franz Kühn aus Tirschenreuth lebt für die Natur. Das wiederum hat zur Folge, dass er Herr über 100 Teiche ist und wo er nur kann, sich für den Naturschutz engagiert. Die Natur liegt dem Mittsiebziger am Herzen. Er ist hineingeboren in eine Familie, die sich von jeher der Teichwirtschaft verschrieben hat. Dazu muss man wissen, dass seine Heimatstadt Tirschenreuth die Stadt der 1000 Teiche genannt wird. Aber 1000, sagt der Fischexperte und Naturschützer, 1000 Teiche, das ist tief gestapelt. In Wirklichkeit sind es viel mehr. Und tatsächlich: Wer sich auf eine Wanderung rund um Tirschenreuth begibt, stellt schnell fest, dass sich Teich an Teich reiht. Wir begeben uns auf den Teichrundweg und treffen den Naturschützer und Fischliebhaber an der Himmelsleiter.

Aus der Höhe haben wir einen weiten Blick über die Teiche, und wir erhalten viele Informationen über Fische und das Teichsystem, das zurück geht bis in das 11. Jahrhundert. Die Teiche sind also 1000 Jahre alt. Ursprünglich gehörten sie zum nahe gelegenen Kloster Waldsassen. Mit anderen Worten: Die Zisterzienser-Mönche waren die Herren über die Teiche. Nach der Säkularisierung des Klosters wurden viele Teiche trocken gelegt, im 20. Jahrhundert wurde das Erbe der Zisterzienser jedoch wiederbelebt. „Ein Glücksfall“, sagt Franz Kühn, dem die Teichwirtschaft am Herzen liegt. „Seit 2021“, erzählt er, „ist die traditionelle Karpfenteichwirtschaft Bayerns bundesweit als immaterielles Kulturgut anerkannt.“ Franz Kühn, der sich über Jahrzehnte hinweg auch politisch engagiert hat, ist das offizielle Gesicht der Teichwirtschaft. Immer gibt es etwas zu tun. In seinen Gewässern schwimmen Karpfen, Hechte, Zander, Rotaugen und Schleien, um nur einige zu nennen. Während einer Führung beantwortet er alle Fragen der zahlreichen Ausflügler aus dem Kreis Straubing, die eigens angereist waren, um sich über das „Land der 1000 Teiche“, wie Tirschenreuth genannt wird, zu informieren. Franz Kühn bleibt keine Antwort schuldig.

Die Fische und die Teiche sind dem Tirschenreuther Bürger ans Herz gewachsen. Jahrzehntelang hat er sich in der Kommunalpolitik engagiert, stets fühlte er sich dem Naturschutz und den Bürgern verpflichtet. Noch heute spürt jeder, der seinen Ausführungen lauscht, wie sehr er sich dem Naturschutz und der Teichwirtschaft verbunden fühlt. Fast täglich ist er an einem seiner Teiche anzutreffen. Nur wenn es den Fischen gut geht, geht es auch ihm gut. „Am besten ist es für die Fische“, erklärt er, „am besten ist es, wenn rund um die Teiche kleine Wäldchen sind, bloß keine Landwirtschaft, denn Landwirtschaft ist allzu oft mit Pestiziden verbunden, und das ist für die Fische gar nicht gut.“ Der Hauptfisch in den Teichen ist übrigens der Karpfen. „Eine Temperatur bis zu 35 Grad hält er gut aus, vorausgesetzt, im Teich ist genügend Sauerstoff. Zum Wachsen braucht der Fisch Naturnahrung, Fliegen zum Beispiel, zugefüttert wird nur wenig.“ 3 bis 4 Jahre braucht der Karpfen, um groß zu werden. Etwa ein Drittel der Fische wird verkauft, andere taugen als Laichkarpfen. Das Ganze ist eine Wissenschaft für sich. Franz Kühn jedenfalls isst Karpfen am liebsten mit polnischer Soße, so, wie ihn seine Großmutter und Mutter zubereitet haben. Dass die Fische in den Teichen bedroht sind, erzählt er seinen aufmerksamen Zuhörern während einer Führung. Biber, Otter, Kormorane, Graureiher und Co. sind eine große Gefahr für die Fischpopulation. Dabei sind die Fischteiche wichtig für die Artenvielfalt. Zugvögel brauchen die Teichgebiete als Rastplatz während des Vogelzugs, und die Teiche sind wichtig für seltene und geschützte Insekten und Amphibien. Dabei muss man wissen: Teich ist nicht gleich Teich. Die Gewässer unterscheiden sich durch die Beschaffenheit, durch den Zustand und die Fruchtbarkeit.

In Tirschenreuth hat man sich für die „Schutz-durch-Nutzung-Strategie“ entschieden, das bedeutet, man setzt sich ein für eine rentable Teichwirtschaft, für die Versorgung der Bevölkerung mit Fisch, für die Fortentwicklung der kulturellen und landschaftlichen Identität und für die Bewahrung der Teiche als Lebensraum für Pflanzen und Tiere. All das ist ganz im Sinne von Franz Kühn, dem Naturschützer und Teichbewirtschafter. Dass Franz Kühn ein Herz für krebskranke Kinder hat, zeigt die Tatsache, dass er mit einem Alphorn-Ensemble regelmäßig Benefizkonzerte spielt und dass er uns eine Spende zugesagt hat für die Aktion „Merkels Grenzerfahrungen“.

Herzlichen Dank dafür und für die durchaus informative Führung durch die Teichlandschaft rund um Tirschenreuth. Wir haben wieder viel gelernt.

LESEN – SICH FREUEN – SPENDEN – DANKE !