Drei Familienmitglieder – eine Vision

Wir schlendern durch Lübeck – wieder einmal auf der Suche nach etwas Besonderem. Lange müssen wir nicht suchen. Mitten auf dem Rathausmarkt bleibt unser Blick an einem Truck hängen. BROTUPIE prangt in großen Lettern von der Seitenwand. Davor schneidet Johanna Philippi Brot in kleine Würfel, und ihre Stimme ist unüberhörbar, wenn sie Passanten dazu animiert, zu probieren. Hinter der Familien-GmbH stehen Felix, der ältere Sohn, Paul, der jüngere Sohn und eben ihre Mutter Johanna, drei kreative Köpfe. Ihrer aller Leidenschaft sind gutes Brot, leckere Kuchen und süße Stückchen. Qualität ist ihr Anspruch. „Alle Brote, sogar unsere Zimtschnecken, werden mit selbst angesetztem Sauerteig gebacken“, erzählt Bäckermeister Felix Phiippi, der für dieses Handwerk sein Lehramtsstudium aufgegeben und sich dafür entscheiden hat, sein Hobby, das Brotbacken, zum Beruf zu machen.

Brotupie
Familie Philippi
Koch Paul Philippi / Foto: Jens Brösicke

Auch Johanna, seine Mutter, hat den Beruf gewechselt und von Erzieherin auf Konditorin umgeschult. Ob sie sich diesen Neuanfang hätte vorstellen können, möchte ich wissen. „Ja“, sprudelt es aus ihr heraus. „Als Felix mit der Idee, ein Familienunternehmen zu gründen, um die Ecke kam, war für mich klar: Jetzt ist die Zeit reif für eine Umschulung.“ Seit drei Jahren hat sie den Gesellenbrief, auf den sie sehr stolz ist. Der Dritte ist Paul, der Jüngste im Bunde. Er hat Koch gelernt und sich nach vielen unterschiedlichen Stationen entschieden, der Familien-GmbH beizutreten. Auf sein Konto geht der Mittagstisch mit vielen leckeren Suppen, Brotaufstrichen, die aus dem Truck heraus angeboten werden und weggehen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Er hält im Verkaufsstand den Kontakt zu den Kunden und ist zuständig für Events und Catering, denn die BROTUPIE ist mehr als eine normale Bäckerei.

Konditorin Johanna Philippi
Foto: Jens Brösicke

Während die Kundschaft bei Johanna Philippi Dinkel-, Bauern-, Saaten- oder Walnussbrot probiert (das Angebot ist aber um ein Vielfaches größer), erzählt Felix von der Familien-Philosophie. „Schon früh habe ich zwei Sauerteige kultiviert und ihnen die Namen Wilma und Bernd gegeben. Dass Sauerteigbrote bekömmlicher sind als andere, hat sich längst herumgesprochen. Wir verzichten komplett auf Hefe. Nur vier Zutaten sind wichtig für gutes, gesundes Brot: Mehl, Wasser, Salz und vor allem viel Zeit. Geduld, Hingabe und Respekt vor guten Lebensmitteln sind unsere persönlichen Zutaten. Sauerteig braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Wer mit Sauerteig arbeitet, muss wissen, dass die Umgebung Einfluss hat auf Geschmack und Konsistenz. Temperatur und Luftfeuchtigkeit spielen dabei eine wichtige Rolle.

Foto: Jens Brösicke
Foto: Jens Brösicke

Alle Produkte, die unsere Sauerteig-Bäckerei verlassen, sind mit Liebe gebacken.“ Die mobile Bäckerei, die auf drei verschiedenen Märkten präsent ist, findet bei der Kundschaft großen Anklang. Die Leute stehen Schlange, um das qualitativ hochwertige Brot mit nach Hause zu nehmen, einen Snack einzunehmen oder es sich bei einer Tasse Kaffee mit Kuchen gemütlich zu machen. Die Tische und Stühle vor dem Truck sind immer belegt, und wenn Stammkunden vorbeikommen, entwickelt sich schnell ein Gespräch mit Johanna Philippi. Für die Konditorin ist der Kontakt sehr wichtig. „Früher hatte ich es mit Kindern zu tun, jetzt sind es Erwachsene, und manche haben Redebedarf. Das alles macht mir großen Spaß, denn ich liebe den  Austausch mit den Kunden. 

Bäckermeister Felix Philippi / Foto: Jens Brösicke
Foto: Jens Brösicke
Foto: Jens Brösicke

In der rollenden Backstube geht es derweil recht eng zu. Auf grade mal 16 qm sind Kneter, Kühlung, Ofen, Arbeitstisch und Verkaufsfläche untergebracht. Die beiden Brüder arbeiten auf engstem Raum. Für ihre gemeinsame Leidenschaft, das hervorragende Sauerteigbrot und andere hochwertige Gebäckstücke, nehmen sie diese räumliche Enge gerne in Kauf. Aber sie freuen sich auch auf die nächste Etappe ihrer Berufstätigkeit.

Bäckermeister Felix Philippi

Bald werden sie stationär backen, eine gläserne Produktion erlaubt es der Kundschaft dann, noch mehr vom Backprozess mitzubekommen. „Das Backen wird dann schneller von der Hand gehen, weil in einen größeren Ofen eben mehr Brote gleichzeitig hinein passen. Übrigens ist es ein echtes Anliegen der Familie Philippi, ihre Leidenschaft für gutes Brot mit anderen zu teilen. Ihr Wissen gibt sie in Workshops weiter. Man spürt, Backen ist ihre Herzensangelegenheit – so wie für uns die Aktion „Merkels Grenzerfahrungen“. Wir sind überaus dankbar, wieder einmal Mitstreiter gefunden zu haben, die unser Projekt ein Stück weiter bringen. Danke für die Spende und viel Erfolg weiterhin.

www.brotupie.de

LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!