Die große Herausforderung

Schon mal Krabben gepuhlt? Diese Frage sollten wir an diesem Abend wahrlich noch oft hören – von waschechten Nordfriesen. „Nein,“ lautet unsere Antwort. Als wir aber mehr zufällig als bewusst erfahren, dass im Amsinck-Haus in lustiger Runde Krabben gepuhlt werden sollen, stürzen wir uns wagemutig in das Abenteuer. Was kann schon passieren – außer dass wir uns hungrig puhlen? Die vier Organisatorinnen des Abends Femke, Anke, Kerstin und Imke haben uns jedenfalls freundlich begrüßt. Dass sich bei einem solchen Anlass Fremde blicken lassen, kommt anscheinend nicht so oft vor. Femke platziert uns direkt neben ihren Eltern. „Sie wissen, wie’s geht und können euch helfen.“

Wir erfahren: „Im Rohzustand sind Krabben lang und grau, im gekochten Zustand sind sie rosa und gebogen. Aha! Auch Anke setzt sich zu uns. Dass die Tischdecken aus Zeitungspapier bestehen, wundert uns zuerst, später wird klar, warum das so ist. Insgesamt 35 Liter Krabben werden in Schüsseln aufgetragen, 35 Liter Krabben, die nachmittags noch nicht wussten, wo sie am Abend landen würden. Frischer geht’s nicht! Alle nehmen sich eine Handvoll dieser nordfriesischen Delikatesse und breiten sie vor sich auf den….Tischdecken… aus. Unser erster Eindruck: Krabben puhlen ist nichts für Schwarzwälder Hände, soll heißen: Richard und ich stellen uns ziemlich dämlich an. Und das, obwohl Anke mit einer Engelsgeduld ständig wiederholt: „In der Mitte drehen, aber nicht brechen. Drehen, dann am Schwanz ziehen, so löst sich ein Stück der Schale und das Fleisch lässt sich herausziehen.“ Während die Einheimischen recht schnell ein ansehnliches Ergebnis auf ihre Teller zaubern, ist unser Ergebnis sehr überschaubar. Später sollen damit Brote belegt werden. Wir werden wohl trockenes Brot essen müssen, ist unser erster Eindruck, denn irgendwie kommen wir nicht voran. Just in dem Moment als Femke’s Mama uns freundlicherweise einen Teil der von ihr gepuhlten Krabben aufs Teller schaufelt, platzt bei uns der Knoten. Hurra! Wir haben den Dreh raus – im wahrsten Sinne des Wortes.

Anke, Kerstin, Imke und Femke sind die Damen, die die sogenannten ‚Mittwoch-am-Deich-Abende‘ organisieren, um zusätzliches Leben in das eigentliche Ausstellungshaus zu bringen. Über die Sommermonate finden im Amsinck-Haus die unterschiedlichsten Events statt. Lesungen, musikalische Abende und Vorträge gehören dazu. Auch der soziale Aspekt darf dabei nicht untergehen. Deshalb ist Christian Koprek-Bremer eingeladen, ein Seenotretter. „Wir fahren raus, wenn andere rein kommen“, lautet deren Motto. 

Kerstin, Femke, Anke, Imke

Die Hilfsorganisation, 1865 in Kiel gegründet, kann 87.000 Gerettete zählen. 53 Stationen gibt es an Nord- und Ostsee. Die 180 fest angestellten und 800 freiwilligen Seenotretter sind unter 2 Minuten einsatzbereit. Der ausgebildete Fischwirt Christian Koprek-Bremer ist längst Seenotretter im Hauptberuf. Mit eindrucksvollen Filmsequenzen macht er deutlich, was es bedeutet, Schiffbrüchige zu retten, brennende Schiffe zu löschen, havarierte kleine und große Boote an Land zu schleppen. Es ist beruhigend, zu wissen, dass die Seenotretter auch ausrücken, wenn zum Beispiel Wattwanderer in Gefahr sind. Tatsächlich gab es auch schon Geburten an Bord, und immer mal wieder kommt es vor, dass in einem Hafenbereich Tiere gerettet werden müssen. Nicht alle Einsätze sind Schreckenseinsätze. Immer wieder unterbricht Christian Koprek-Bremer seinen Vortrag, dann heißt es: „An die Krabben – fertig – los!

Werbematerial der Seenotretter

So kommen auch wir in den Genuss der ‚Nordsee-Garnelen‘, wie die Krabben wohl offiziell heißen. Wenn es nach den vier Damen von der Organisation geht, könnte der Krabbenpuhl-Abend Tradition werden. Die etwa 60 Einheimischen hätten ihren Gefallen daran, und Heinke Ehlers, die vor mehr als 20 Jahren das Sommerprogramm im Amsinck-Haus ins Leben gerufen hat, ist voll des Lobes für ihre Nachfolgerinnen. Diesem Lob können wir uns nur anschließen und Danke sagen für jegliche Unterstützung. Wir haben den Abend wirklich genossen.

 

LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!