Charmanter Zufallsfund

Das Schönste an unserer Spendenreise sind spontane Begegnungen mit wildfremden Menschen. Wenn die auch noch dazu führen, dass aus den wildfremden Menschen Spender werden, dann bezeichnen wir das als absoluten Glücksfall. Wir wollen zur Hamburger Hallig in der Nordsee – eigentlich. Dort, wo die „Reise“ losgehen soll, am Amsinck-Haus, steht dann aber in großen Lettern: Restaurant auf der Hamburger Hallig GESCHLOSSEN. Oha! Im Netz stand was anderes. Ratlosigkeit! Wir stolpern in das Infozentrum und treffen auf Nadine Stelzig. „Hallo, kann ich helfen?“ Schnell klärt sie uns auf, dass die geschlossene Hallig dem unbeständigen Wetter geschuldet ist. Aha! Dann also erkunden wir die Ausstellung Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer im Amsinck-Haus. Benannt ist das Haus nach den beiden Brüdern Rudolf und Arnold Amsinck, die durch ein ambitioniertes Deichbauprojekt in Nordfriesland historische Berühmtheit erlangten. 

Mit 4400 Quadratkilometern ist  der Nationalpark Schleswig-Holstensches Wattenmeer der größte Nationalpark Mitteleuropas. Es handelt sich um ein Unesco-Weltnaturerbe und um ein Biosphärenreservat. Das Wattenmeer besteht aus Salzwiesen, Dünen, Wattflächen und Sänden. 10.000 Tier- und Pflanzenarten sind dort zu finden, etwa 12 Millionen Zugvögel rasten dort. Soweit die nackten Zahlen – nur um einen Eindruck davon zu vermitteln, was die Besucher dieses Abschnitts der Nordseeküste erwartet, wenn sie sich denn auf diese fremde Welt einlassen wollen. Die Ausstellung ist interaktiv angelegt, sie begeistert Kinder genauso wie Erwachsene. Mittendrin Nadine Stelzig, die empathische Ansprechpartnerin. „Ich bin auch erst seit wenigen Monaten hier, und ich erkunde die Ausstellung gemeinsam mit den Besuchern“, erklärt die in Bredstedt aufgewachsene, äußerst sympathische Frau bescheiden.

An Nordfriesland begeistern mich die Menschen. Sie sind gar nicht so zugeknöpft, wie immer behauptet wird. Im Gegenteil: Wir sind ein geselliges Völkchen, das gerne feiert.“ Das kommt ihr sehr entgegen, denn mit einer Band macht sie Musik, Singen ist ihre ganz große Leidenschaft. Es gibt von ihr sogar eigene Liedtexte. In der Vergangenheit war Nadine Stelzig hauptsächlich in der Gastronomie tätig. „Jetzt bin ich die Neue im Amsinck-Haus. Ich brauche den Kontakt zu den Menschen“, bekennt sie freimütig. Das ist keine bloße Behauptung, sondern echtes Bedürfnis. Wie oft hören wir während unseres Gesprächs die vertraute Frage: „Hallo, kann ich helfen?“ An manchen Tagen verleiht sie bis zu 80 Fahrräder, die aber nur für die Strecke zur Hamburger Hallig benutzt werden dürfen sonst nirgends.

Jede Frage beantwortet Nadine Stelzig mit dem ihr eigenen Charme. Welche Fragen am meisten gestellt werden, möchte ich wissen. „Während der großen Hitze in diesem Sommer kam oft die Frage, wie die Schafe das aushalten? Tatsächlich machen die Menschen sich Sorgen um die Tiere. Ich bin dann mit dem Rad zum Schäfer geradelt und habe mich erkundigt. Zum einen stehen überall Wassertröge, zum andern regulieren Schafe die Körpertemperatur über leichtes Hecheln. So habe ich gemeinsam mit den Gästen der Ausstellung dazu gelernt“, freut sich Nadine Stelzig. Das ist ihre ganz eigene Art, sich in die neue Materie einzuarbeiten. Vor allem freut sie sich über die wirklich gelungene Präsentation, die auch bei Kindern ankommt. Während sich die Erwachsenen umschauen, beschäftigt sie den Nachwuchs gerne mit einem Quiz.

Auch wir halten uns länger in der Ausstellung auf als geplant, und das liegt zu einem ganz großen Teil an Nadine Stelzig, unserem charmanten Zufallsfund. Zu unserer Schande müssen wir feststellen, dass wir überhaupt keine Ahnung hatten, was Landschaft und Natur Nordfrieslands betrifft. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, und tatsächlich gehen wir etwas schlauer aus der Ausstellung als wir hineingegangen sind. Danke dafür an Nadine Stelzig und Danke für eine Spende zugunsten krebskranker Kinder. Weiterhin viel Spaß mit den Gästen des Wattenmeers, die Antworten suchen auf ihre Fragen.

 

LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!