Audienz bei den Lamm-Majestäten
Bei uns im Südwesten Deutschlands kennt man die Wein- oder Zwetschgenkönigin. Aber mal im Ernst – hat schon mal jemand von einer LAMM-Hoheit gehört? Die wiederum findet man in Nordfriesland! Liegt ja irgendwie auf der Hand. Während bei uns die Landschaft von Reben und Streuobstwiesen gekennzeichnet ist, prägen im hohen Norden die Schafe das Landschaftsbild. Schließlich sind sie ein Wahrzeichen Nordfrieslands. Deshalb ist es nur logisch, dass in dem Landstrich unweit der Nordseeküste LAMM-Hoheiten gekürt werden. Um genau zu sein, gibt es eine Lammkönigin – das ist Sarah Thomsen – und eine Lammprinzessin, Nele Thomsen, ihre Schwester. Lammhoheiten im Doppelpack aus einer Familie.
Wir erfahren zufällig von den beiden Mädels, die ein Jahr lang gemeinsam die Schäferei repräsentieren und als Botschafterinnen auf überregionalen Veranstaltungen unterwegs sein werden. Für den Kreis Nordfriesland informieren sie über das Kulturgut Schaf und den Küstenschutz durch die wolligen Deichbewohner. Es erfordert hartnäckige Recherchearbeit, um die Hoheiten ausfindig zu machen. Aber diese Geschichte brauchen wir, ist sie doch typisch für den Landstrich, in dem wir uns gerade aufhalten. Dank der Spontanität der beiden Majestäten geht alles dann ganz schnell. Wir treffen Sarah und Nele Thomsen auf der NORLA in Rendsburg. Das ist die größte Landwirtschaftsmesse Schleswig-Holsteins, beide Mädels vertreten dort die Schäferei. „Um Lamm-Königin oder -Prinzessin zu werden, muss man älter als 18 Jahre und mobil sein, und man sollte etwas über Schafe wissen“, erzählen beide. Nun sind die jetzigen Majestäten in der elterlichen Schäferei groß geworden. Sarah Thomsen arbeitet als angestellte Schäferin in der Deich-Schäferei ihrer Eltern. Mehr als 1000 Mutterschafe gilt es dort zu versorgen. Ob sie ein Lieblingsschaf hat? „Lieblingsschafe sind die Handlämmer, also diejenigen, die mit der Flasche aufgezogen wurden“, erklärt sie, um dann hinzuzufügen, dass es ein Schaf namens Petra gab, das ihr sehr ans Herz gewachsen war. „Sie hat ein Lamm geboren, und einige Wochen später lag sie auf dem Rücken, das ist für Schafe der Todesstoß. Aber sie hat mir ihr Lamm hinterlassen.“
Es ist keine Frage, dass die Thomsen-Schwestern erste Wahl sind, wenn es um die Titel geht. Sarah bringt beste Voraussetzungen mit, um ihrer Vorgängerin als Königin nachzufolgen. Nele lebt in Husum und macht beruflich etwas ganz anderes, aber natürlich ist auch sie von Kindesbeinen an von der Schäferei geprägt und ebenfalls mit Schafen groß geworden. „Wir haben uns auf die Ausschreibung hin beworben, ein Vorstellungsgespräch geführt, Fragen beantwortet und — die beiden Titel geholt“, erzählt sie nicht ohne Stolz. Ihr Ziel hat sie ganz klar vor Augen: Im nächsten Jahr möchte sie ihre Schwester als Königin beerben. Jetzt repräsentieren die beiden Hoheiten die Schäferei im Doppelpack. Die NORLA ist nur eine von vielen Stationen, die die beiden während ihrer Amtszeit besuchen werden. Neben Terminen auf Wochenmärkten oder Hafentagen steht der Besuch der Grünen Woche in Berlin an. „Dort werden wir auch unseren Landesvater Daniel Günther treffen“, freut sich Sarah, und Nele fügt hinzu, „wir können Kontakte knüpfen und Erfahrungen sammeln, das kann uns keiner mehr nehmen. „Schon dafür lohnt sich der ganze Aufwand“, meint Sarah, denn „zeitaufwändig ist die Funktion als Lamm-Majestät auf jeden Fall, freie Wochenenden sind extrem selten.“
Wir wünschen den beiden Lamm-Hoheiten viele Eindrücke, die hängen bleiben, und wir drücken die Daumen für Nele, dass sie nach der nächsten Proklamation das Königinnenkleid und die Königinnenschärpe tragen darf. Sarah Thomsen wünschen wir weiterhin viel Herzblut bei ihrer Arbeit in der Schäferei und wir bedanken uns ausdrücklich bei beiden für ihre Spontanität und für die Unterstützung der Aktion „Merkels-Grenzerfahrungen“.
LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!
