Besuch bei Tante Emma

Wenn immer Menschen sich für unsere Deutschlandumrundung mit sozialem Hintergrund interessieren -und das ist in der Tat oft der Fall-, dann rattert es in ihrem Hinterkopf, das kann man richtig hören. Das Ergebnis sind Ratschläge, brauchbare und unbrauchbare. Alle wollen Tipps geben, und in diesem speziellen Fall war es ein Rat, für den wir wirklich dankbar sind. Ich bin mir nicht sicher, ob wir den Historischen Kaufmannsladen Haus Peters gefunden hätten. In Tetenbüll (Eiderstedt) in der Dorfstraße steht der Historische Kolonialwarenladen aus dem Jahr 1820. Über sechs Generationen hinweg hat ihn die Familie Peters bewirtschaftet. Aktuell wird das Haus mit kompletter Einrichtung und Warenangebot von einem Förderverein als Museum geführt. Schon das Schaufenster macht neugierig – erst recht die Räumlichkeiten. Wir treten ein und beginnen eine Zeitreise. Die Räume sind original eingerichtet.

Beginnen wir im Keller. Dorthin führt eine steile Stiege. Was wir finden, ist Eingemachtes. So haben unsere Vorfahren üblicherweise Obst, Kraut und andere Delikatessen haltbar gemacht – Kindheitserinnerungen! Die werden auch in der historischen Küche wach. Ein Herd mit Ofenrohr, Teekessel, gusseiserne Bügeleisen und Brotschieber erinnern an die (gute) alte Zeit. Am Empfangstresen können alte Geldscheine und -stücke bewundert werden. In ein uraltes Büchlein sind Beträge eingetragen, die genaustens dokumentieren, wer wie viele Schulden hatte. Bei Tante Emma, pardon, im Haus Peters wurde noch angeschrieben. Da war die finanzielle Situation der Dorfbewohner und der Bauern drum herum bekannt. Eine Registrierkasse flößt Respekt ein – so groß und unförmig ist sie.

Im Oberstübchen werden die Besucher aufmerksam gemacht auf die sogenannten Kolonialwaren. Wie hießen die alt bekannten Marken doch gleich? Sil, Pril, Ata, Imi…manche Namen sind heute noch gängig wie etwa Mondamin oder Bahlsen. Ein Streifzug durch das Haus Peters ist wie ein Ausflug in die Vergangenheit. Kinderspielzeug in Miniformat, Spieluhren, ein Puppenhaus – man kommt nicht mehr raus aus dem Staunen. Weil das Historische Haus Peters erhalten werden soll, muss der Förderverein Einnahmen generieren. Das macht er zum Beispiel mit dem Verkauf von Gebrauchsgegenständen wie Keramik, Handtücher und Seifen. Wunderschöne Dekoartikel kann man ebenfalls erwerben, auch Bücher, Karten, Marmelade, Gewürze und Liköre. Im Obergeschoß sind Bilder ausgestellt, an und an finden in den Räumlichkeiten Veranstaltungen statt.

Stundenlang kann man sich im Kaufhaus Peters umsehen, ohne dass es langweilig wird. Wer eine Pause einlegen will, weil die Eindrücke überhand nehmen, macht am besten eine kleine Pause im Garten, der ebenso wie das Haus denkmalgeschützt ist. Dann kann es weitergehen mit der Entdeckungstour in den liebevoll gestalteten Innenräumen. Das Kaufhaus Peters in Tetenbüll – ein Geheimtipp, ein absolutes Muss für alle, die auf der Halbinsel Eiderstedt unterwegs sind.

 

LESEN – STAUNEN – SPENDEN – DANKE!!!