Friedhof statt Marktplatz

Das gibt es wohl nur in der Fischersiedlung Holm bei Schleswig an der Schlei. Dort gruppieren sich historische und gut erhaltene Wohngebäude tatsächlich um einen Friedhof, sprich: Der Friedhof ist der Mittelpunkt der sogenannten ‚Beliebung‘. So nennen die Fischer ihre gegenseitige Hilfsgemeinschaft. ‚Beliebung‘ bedeutet, dass sich die Bürger im 17. Jahr-hundert aus freien Stücken, also ohne Zwang durch die Obrigkeit, zu einer Zweckgemeinschaft zusammengeschlossen haben, um sich in schwierigen Zeiten Stütze zu sein.

Das war nötig, denn der heutige Stadtteil von Schleswig war bis 1935 eine Insel und nur über einen kleinen Steg erreichbar. Daher der Name Holm (von Wasser umgeben). Die Schlei ist ein 42 km langer Ostsee-Fjord, und sie bildete bis weit ins letzte Jahrhundert hinein die Lebensgrundlage der Menschen, die dort heimisch waren. Hauptsächlich lebten die Menschen vom Fischfang, das hat sich durch Umwelteinflüsse und gesetzliche Vorgaben massiv verändert. Waren es im Jahr 1900 noch etwa 100 Fischer, die ihre Familien durch ihr Handwerk ernähren konnten, sind es aktuell nicht einmal mehr eine Handvoll. Längst leben in den charakteristischen Fischerhäusern nicht mehr nur Fischer, aber die Siedlung hat sich ihre ursprüngliche Struktur bewahrt. Die Architektur ist einzigartig, die Häuser sind ringförmig um den zentralen Friedhof angeordnet, die Gassen sind schmal, kopfsteingepflastert, und sie führen sternförmig auf den Mittelpunkt zu.

An zahlreichen Fassaden lässt sich das entsprechende Baujahr ablesen. Auffällig: Die Türen sind oft zweigeteilt. Man nennt sie ‚Klöntüren‘. Der obere Teil kann separat geöffnet werden, z.B. zum Lüften, aber viel öfter wohl zum ‚Klönen‘, also um miteinander zu reden. Kleine Gassen führen hinunter zur Schlei. Hinter den wenigen Häusern, die von den drei noch verbliebenen Fischern bewohnt sind, fallen ihre Arbeitsutensilien ins Auge: Boote, Netze und Reusen, Utensilien, die das Leben auf dem Holm bis heute prägen.

Wer durch die Fischersiedlung schlendert, bricht zu einer Zeitreise auf, auch wenn das moderne Leben natürlich auch dort den Ton angibt. Längst leben auch Zugezogene auf dem Holm, im Sommer auch Feriengäste. An der ursprünglichen Optik hat sich jedoch nichts verändert. Der Spaziergang durch die Historie – ein Muss für alle, die an der Schlei Urlaub machen.

Liebe Leser: Ihr habt es bemerkt – heute schreiben wir einen „kopflosen“ Blog, soll heißen: Niemand hat den Kopf hingehalten und für eine Spende gesorgt. Leider ist es uns nicht gelungen, einen der drei Fischer zu treffen, weil sie entweder verreist oder auf dem Wasser waren. Trotzdem sind wir der Meinung, dass diese einzigartige Fischersiedlung vorgestellt werden muss. Vielleicht hat ja jemand von Euch ein paar Euro übrig und spendet für unseren kostenlosen Leseservice, der zuverlässig wie die Tageszeitung jeden Morgen bei Euch ins Haus flattert. Herzlichen Dank dafür!

 

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